Sport : Nur die Zuschauer interessieren sich nicht für die Erfolge des Tabellenzweiten

Claus Vetter

"Werbung fürs Eishockey" hatte Trainer Doug Mason beim Spiel seiner Krefelder Pinguine bei den Berlin Capitals gesehen. Werbung haben die Capitals in der Tat bitter nötig. In der Eissporthalle an der Jafféstraße herrschte am Sonntag Tristesse. Nur 3117 Zuschauer wollten das Spiel zwischen dem Tabellenzweiten und dem -fünften sehen. Allein beim Vorletzten Moskitos Essen war am Sonntag noch weniger los.

Sportlicher Erfolg garantiert hohen Zuschauerzuspruch - diese Gleichung scheint bei den Capitals nicht aufzugehen. Auf dem Eis lief es in den ersten 18 Spielen so gut wie schon lange nicht mehr. Trotzdem werden bei sieben Vereinen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mehr Tickets verkauft als beim erst vor wenigen Tagen entthronten Tabellenführer. Auch der keinesfalls blendend in die Saison gestartete Lokalrivale EHC Eisbären hat mehr Zuschauer. Eisbären-Manager Lorenz Funk hat dieses Phänomen mal damit begründet, dass sich die Capitals in den letzten Jahren das Image eines "Charlottenburger Kiez-Klubs" übergestreift hätten. Die Fluktuation und das Potenzial an Besuchern scheinen bei den Capitals gering zu sein. Der harte Kern der Anhänger kommt schon seit Jahren. Dies ist allein schon an den Devotionalien der Fans zu erkennen: Ein kunterbuntes Durcheinander von Preussen, Preussen Devils oder Capitals. Selbst der Schriftzug des Berliner Schlittschuh-Clubs - 1982 aus der Bundesliga ausgestiegen - findet sich noch.

Der Muff der achtziger Jahre, er scheint sich nicht aus der Halle verziehen zu wollen. Auch wenn mit Manager Roger Wittmann nun ein Verantwortlicher das Sagen hat, der um frischen Wind bemüht ist. Wittmann hat bei der Zusammenstellung der Mannschaft weit mehr Akribie walten lassen als sein Vorgänger Peter Ustorf in den Vorjahren, zudem ist er bei der Kommunikation mit den Anhängern äußerst engagiert. Seit Wittmann bei den Capitals das Sagen hat, gibt sich die Sportprominenz an der Jafféstraße die Klinke in die Hand. Doch ob nun Uli Hoeneß oder Stammgast Mario Basler - deshalb strömen die Berliner nicht in die Halle. Beim Spielerpersonal verhält es sich ähnlich. Identifikationsfiguren wie seinerzeit Georg Holzmann oder Klaus Merk haben sich bei den Capitals der Saison 99/2000 noch nicht herausgebildet.

An der Jafféstraße gibt man sich ob der schwachen Publikumsresonanz ratlos, bei der Werbung um neue Kundschaft ist der Aktionismus inzwischen eher gedämpft. Großangelegte Freikartenaktionen wie in den Vorjahren gibt es in dieser Saison nicht. "Das machen wir mit Absicht nicht mehr", sagt Sprecher Peter Harbig, "irgendwann muss damit mal Schluss ein. Wir können doch nicht Karten verschenken, um die Hütte vollzukriegen."

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