Sport : Nur drei Coaches in zwölf Jahren

Warum Alba Berlin noch nie einen Trainer entließ

Benedikt Voigt

Berlin. Das mäßige Interesse ist auch Emir Mutapcic aufgefallen. Nur sechs Pressevertreter waren zur wöchentlichen Pressekonferenz von Alba Berlin erschienen. „Wo sind die anderen?“, fragte der Basketballtrainer und beantwortete die Frage gleich selbst: „Wahrscheinlich bei Hertha.“

Das Geschehen bei Alba Berlin kann momentan mit der Dramatik beim örtlichen Fußball-Erstligisten nicht mithalten. Während bei Hertha BSC spektakulär und medienwirksam über den Trainer diskutiert wird, beschäftigen sich die Basketballer von Alba Berlin lediglich mit dem anstrengenden Programm der nächsten Tage und Wochen. So kommt es heute (19.30 Uhr) in der Bundesliga bei GHP Bamberg zur Neuauflage des Finales der vergangenen Saison. „Wir haben die Endspielserie mit 3:0-Siegen gewonnen“, sagt Centerspieler Szymon Szewczyk, „jetzt wollen wir daraus ein 4:0 machen.“ Exakt 48 Stunden später empfängt Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle den Aufsteiger Artland Dragons aus Quakenbrück. Sollte Alba Berlin beide Spiele verlieren, könnte der Trainer in die Kritik geraten? Albas Vizepräsident Marco Baldi sagt: „Die Frage können Sie sich selber beantworten.“

Fast immer sportlich erfolgreich

Alba Berlin hat noch nie einen Trainer entlassen. Seit der Klub vor zwölf Jahren gegründet worden ist, beschäftigte der Verein drei Trainer: Faruk Kulenovic, Svetislav Pesic und Emir Mutapcic. Das hat natürlich vor allem damit zu tun, dass der Klub seit dem Korac-Cup-Sieg 1995 fast in jeder Saison sportlichen Erfolg hatte. „Das ist natürlich hilfreich“, sagt Baldi. Aber es hat auch mit der Philosophie des Klubs zu tun. „Bei uns ist der Trainer der sportliche Leiter“, sagt Baldi. „Wir holen zum Beispiel keinen Spieler, den der Trainer nicht will.“ Der Trainer steht für eine sportliche Strategie, die hineinreicht bis zum Zweitligisten TuS Lichterfelde, wo Alba Berlin seinen Nachwuchs rekrutiert. „Wir machen unser sportliches Konzept nicht von einem Spiel oder von einer Meisterschaft abhängig“, sagt Baldi. „Die Zeiten im Sport werden immer kurzlebiger, da ist es wichtig, ein Fundament zu haben.“

Es ist nicht so, dass es unter Albas Fans nie Kritik am Trainer gab. „Das war unter Pesic so und auch bei Mutapcic“, sagt Baldi. In Zuschriften, E-Mails und Gesprächen bekam das Albas Vizepräsident zu spüren. Aber er ließ sich nicht beirren. Als die Berliner 2002 acht Spiele in der Bundesliga verloren hatten, kam öffentlich Kritik an Mutapcic auf. Genau in diesem Moment verlängerte Alba den Vertrag des Trainers. „Das war nicht demonstrativ“, erklärt Baldi, „wir haben an unseren Weg und an den Trainer geglaubt.“

Mutapcic als Trainer aufgebaut

1993 hatte Mutapcic als Trainer den Zweitligisten Lichterfelde übernommen. Er sollte dort als späterer Alba-Trainer aufgebaut werden. „Das war der Wunsch von beiden Seiten“, sagt Baldi, „aber es war nicht klar, ob es auch funktionieren würde.“ Mutapcic glaubt, dass es ihm sehr geholfen habe, den Verein bereits vor seinem Engagement als Alba-Coach gekannt zu haben. Huub Stevens hingegen kam von außen. Doch bei Alba hält man sich mit Ratschlägen für Hertha zurück. „Dazu fehlt mir der Einblick“, sagt Baldi. Er sagt aber auch: „Man kann das Schicksal seines sportlichen Leiters nicht davon abhängig machen, ob er ein Spiel gewinnt.“

Mutapcic lernte Stevens einmal bei einer Gala kennen. Er sagt: „Man muss ihm Respekt erweisen.“ Ob er glaubt, auch einmal in eine ähnliche Situation geraten zu können? „Das ist das Risiko unseres Berufes – aber daran denke ich nicht.“

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