Sport : Nur eine kann gewinnen

Allein Läuferin Maria Mutola hat noch die Chance auf den mit einer Million Dollar gefüllten Jackpot der Golden League

Jörg Wenig

DAS ISTAF IM BERLINER JAHNSTADION

Berlin. Einen ohnehin kaum zu erwartenden Weltrekord gab es nicht, ein Novum dagegen schon: Maria Mutola hat die einmalige Chance, in der Golden League als einzige Athletin den mit einer Million Dollar dotierten Jackpot zu knacken. Die Olympiasiegerin und Weltmeisterin über 800 Meter gewann auch beim Istaf, dem vierten der sechs Golden-League-Meetings des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), ihr Rennen. Vor rund 15 000 Zuschauern im Jahnstadion lief die 30-jährige Athletin aus Mosambik 1:59,01 Minuten.

Gewinnt sie nun auch am nächsten Freitag in Zürich sowie zwei Wochen später in Brüssel kassiert sie die Dollar-Million komplett. Denn die einzige andere Athletin im Rennen um den Jackpot schied gestern im Jahnstadion aus: Chandra Sturrup (Bahamas) verlor über 100 m gegen die US-Meisterin Kelli White. Bisher hatte es immer mindestens zwei Jackpot-Sieger gegeben.

Einige Zeit nachdem die dominierende 800-m-Läuferin der letzten Jahre, Maria Mutola, ihr Rennen gewonnen hatte, sah man sie, wie sie sich mit Kelli White unterhielt. „Nein, ich habe mich nicht bei Kelli bedankt, dass sie Chandra aus dem Jackpot geworfen hat“, antwortete Mutola später auf eine entsprechende Frage. Seit über einem Jahr ist sie nun schon ungeschlagen über 800 m. Und auch bei den Weltmeisterschaften, die in knapp zwei Wochen in Paris beginnen, heißt die Favoritin Mutola. „Mein Training war in diesem Jahr von Anfang an so ausgelegt, dass ich eine lange Saison laufen kann. Aber es wird trotzdem nicht leicht, den Jackpot zu gewinnen. Jetzt kommt das Rennen in Zürich und die WM.“ Und dann ist noch lange nicht Schluss: „Nach so einer Weltmeisterschaft gibt es oft ein kleines Tief, aber ich muss dann ja noch in Brüssel gewinnen“, sagte Mutola pflichtbewusst. In ihrer Erfolgssammlung fehlt nur ein Weltrekord. Erst am Dienstag hatte sie in Stockholm erfolglos versucht, die 1000-m-Marke zu brechen.

Chandra Sturrup hatte vor dem Istaf die 100 m bei den Golden-League-Meetings in Oslo, Paris und Rom gewonnen, doch gestern blieb ihr nur Platz drei. Knapp zwei Wochen vor Beginn der WM schob sich Kelli White in die Favoritenposition. Trotz eines schwachen Starts, rollte die US-Amerikanerin das Feld auf der zweiten Hälfte des Rennens von hinten auf. Beim wahrscheinlich heißesten Istaf der Meeting-Geschichte gab es das wohl hochklassigste 100-m-Frauenrennen. Ein akkurater Vergleich lässt sich nicht ziehen, da mit 2,8 Metern pro Sekunde ein zu starker Rückenwind wehte, so dass die Ergebnisse keinen Eingang in die Rekordlisten finden werden. Kelli White gewann das Rennen in 10,84 Sekunden hauchdünn vor Gaines (10,86) und Sturrup (10,88).

Nur einmal hatte es beim Istaf bisher zwei Zeiten unter 11,00 Sekunden gegeben. 1990 hatte Merlene Ottey (Jamaika) in 10,82 Sekunden vor Katrin Krabbe (Neubrandenburg/10,99) gewonnen. Für Kelli White war es eine perfekte Generalprobe für Paris, denn sie will auf einen Start in Zürich verzichten.

Das Istaf profitierte auch in weiteren Wettbewerben vom Zeitpunkt vor der WM, wenn alle noch frischer sind. Im Hochsprung gewann Hestrie Cloete mit dem Afrika-Rekord von 2,05 Metern, der zugleich auch Meeting-Rekord bedeutete. Am neuen Weltrekord von 2,10 m scheiterte Cloete dreimal klar. Zwei Jahresweltbestzeiten gab es: Die türkische Europameisterin Sürreya Ayhan lief über 1500 m 3:59,58 Minuten, und die US-Sprintstaffel siegte in der Besetzung Jon Drummond, Bernard Williams, Darvis Patton und Maurice Greene über 4 x 100 m in 37,77 Sekunden. Es war die zwölftbeste Zeit aller Zeiten – und das, obwohl das Quartett vorher noch nie zusammen gelaufen war.

Und die Deutschen? Der einzige Sieger war Speerwerfer Raymond Hecht. Für die WM in Paris sieht es nicht unbedingt rosig aus für die deutsche Leichtathletik…

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