Sport : Nur einer ist echt

Okulaja tritt mit Moskau bei Alba an und ist wohl der einzige Berliner im Spiel

Benedikt Voigt

Berlin - Der Weg von Charlottenburg in die Max-Schmeling-Halle beträgt 3226 Kilometer und dauert acht Tage – zumindest für den deutschen Basketball-Nationalspieler Ademola Okulaja. Er ist nach dem Weihnachtsurlaub am 2. Januar von Berlin nach Moskau geflogen und musste den gleichen Weg erneut zurücklegen, nur um heute in der Max-Schmeling-Halle Basketball zu spielen. Das hätte er auch einfacher haben können.

Wenn Alba Berlin heute im Uleb-Cup gegen BC Khimki (19 Uhr 30, live auf Eurosport 2, zeitversetzt bei TVB) antritt, wird Ademola Okulaja wahrscheinlich der einzige Berliner auf dem Feld sein. In einem Moskauer Trikot. „Ich freue mich, zum ersten Mal in Berlin gegen Alba zu spielen“, sagt der Sohn eines Nigerianes und einer Deutschen, „meine ganze Familie wird dabei sein.“ Für Alba hingegen hat in dieser Saison noch kein gebürtiger Berliner gespielt – bis zum Samstag. Da durfte Oskar Faßler wegen William Averys Bauchmuskelverletzung in Trier (84:76) vier Minuten lang spielen. Ein erneuter Kurzeinsatz ist eher unwahrscheinlich, obwohl Averys Einsatz fraglich ist. Nur bei einem Sieg hat Alba Chancen auf ein Weiterkommen.

Der ehemalige Alba-Spieler Okulaja hat den Kontakt nach Deutschland nicht verloren. „Ich finde es nicht gut, dass so wenig Deutsche in der Bundesliga spielen und nur kleine Rollen haben“, sagt er, „das sieht ja teilweise aus wie ein Collegespiel in den USA.“ Diese Entwicklung läge an den Managern der Klubs und der Freigabe der Ausländerregelung, glaubt er. Wie man heimische Spieler fördert, erlebt Okulaja in der russischen Liga. Dort müssen immer mindestens zwei Russen auf dem Feld stehen, insgesamt darf ein Team nur fünf Ausländer einsetzen. In der Bundesliga müssen zwei von zwölf Spielern Deutsche sein. Weil Khimki acht Ausländer im Team hat, pausiert Okulaja in der nationalen Liga wie zuletzt bei der Niederlage bei ZSKA Moskau häufig mal. Regelmäßig spielt er nur in internationalen Spielen.

Albas Manager Marco Baldi lässt sich den Vorwurf nicht gefallen, zu wenig auf deutsche Spieler zu setzen. „In Trier standen vier junge deutsche Spieler auf dem Feld, bei welchem Bundesligisten gibt es das noch“, sagt Baldi, „als Protagonist für eine Legionärsmannschaft halten wir nicht her.“ Alba habe genauso viele Ausländer im Team wie in den vergangenen Jahren. „Und wir arbeiten fast verzweifelt daran, damit wieder deutsche Spieler rauskommen“, sagt Baldi. Einigen Berliner Fans fällt es schwer, sich mit dem neuen Team zu identifizieren. Baldi hat Verständnis: „Ich freue mich doch auch, wenn ich bekannte Gesichter auf dem Feld sehe.“ Die Verpflichtung von sieben neuen Spielern vor dieser Saison lag vor allem an den Verletzungen von Matej Mamic und Jovo Stanojevic sowie dem Weggang von Hollis Price. Einen bekannten Berliner Spieler wie Okulaja zurückzuholen, sieht sich Alba außerstande. „Er ist im Moment nicht bezahlbar“, sagt Baldi.

Okulaja möchte noch zwei bis drei Jahre im Ausland spielen und dann nach Deutschland zurückkehren. „Es wäre schön, wenn ich dort aufhören könnte, wo ich angefangen habe.“ Also in Berlin. Eine kleine Chance besteht also noch, dass sich Okulajas Anreise in die Schmeling-Halle wieder verkürzen wird.

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