Sport : Nur einer kommt durch

Stuttgart: Kohlschreiber steht in Runde zwei

Petra Philippsen

Stuttgart - Seine dunklen Augen fixieren den Tennisball, als wäre er die Beute eines hungrigen Raubtiers. Rafael Nadal schaut fest entschlossen, es ist der selbstbewusste Blick eines Siegers. Es ist kaum verwunderlich, dass das Konterfei des spanischen Tennisspielers und Sandplatzspezialisten die Turnierplakate am Stuttgarter Weissenhof ziert und auf die Abbildung der einheimischen Spieler in weiser Voraussicht verzichtet wurde. Denn wie so oft trat auch in dieser Woche die allseits befürchtete Prognose ein, dass deutsche Spieler auf Sandplätzen und noch dazu vor heimischer Kulisse einfach keine erfolgversprechende Kombination sind. Keiner der vier gestarteten Qualifikanten schaffte den Sprung ins Hauptfeld, am Montag verabschiedeten sich mit Florian Mayer und Benjamin Becker die ersten beiden von insgesamt fünf deutschen Profis gleich zum Auftakt, und natürlich verlor auch Alexander Waske sein Auftaktmatch – 1:6, 1:6 gegen Rafael Nadal, den besten Sandplatzspieler der Welt.

Florian Mayer beklagte sich nach seiner Niederlage gegen den Spanier Fernando Verdasco noch öffentlich über die frühe Spielansetzung: „Bei einem deutschen Turnier sollten sie uns deutschen Spielern doch wohl entgegen kommen“, monierte er. Becker lobte dagegen die starke Leistung seines kroatischen Kontrahenten Marin Cilic und freute sich umso mehr auf den Beginn der amerikanischen Hartplatzsaison.

Auch Alexander Waske hätte sich nach mehrwöchiger Verletzungspause wohl eine glücklichere Auslosung als ausgerechnet Nadal gewünscht. Der an Position 135 geführte Frankfurter wehrte sich im ersten Satz nach Kräften, doch ernsthaft zu gefährden vermochte Waske den spanischen Topstar nicht. Mit 1:6 und 1:6 war auch für den Davis-Cup-Spieler das Turnier nach der ersten Runde beendet. Er nahm die Lehrstunde mit Selbstironie: „Es ist toll, gegen den Besten auf Sand zu spielen. Man kann sich in eine lange Schlange von Verlierern einreihen.“

Für die lokalen Hoffnungsträger war es ein schwarzer Turnierauftakt, der allerdings von Philipp Kohlschreiber zumindest ein wenig aufgehellt wurde. Mit einer überzeugenden Leistung bezwang die deutsche Nummer zwei den Stuttgarter Simon Greul deutlich mit 6:1 und 6:2. „Es war relativ einfach, Simon war wohl etwas übermotiviert und wollte zu viel. Ich habe sehr solide gespielt“, sagte Kohlschreiber, der nach seiner Erstrundenniederlage in Wimbledon noch zugegeben hatte, bereits zu sehr auf das mögliche Viertelfinalduell mit Nadal geschielt zu haben.

In Stuttgart ist der Spanier nun tatsächlich der nächste Gegner, und auch diesmal schwirrte Nadal bereits während des Matches in Kohlschreibers Hinterkopf herum: „Dieses Mal habe ich es aber als extra Motivation gesehen.“ Für ihn sei es ein Traum, nun gegen diesen Monsterbrocken zu spielen, zu verlieren habe er gegen ihn nichts, sagte Kohlschreiber, und schließlich sei Nadal auch nur ein Mensch. Den wolle er versuchen, ein wenig zu ärgern. Bisher lief es in Stuttgart allerdings immer umgekehrt: „Man sollte sich beim Veranstalter beschweren, dass er Nadal verpflichtet hat. Da können wir ja nicht gewinnen“, sagte Kohlschreiber. Er sagte es mit einem Augenzwinkern, doch es steckte auch eine Menge Wahrheit drin. Petra Philippsen

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