Sport : Nur gegen Vorkasse

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Von Frank Bachner

Berlin. Das Finale war spannend bis zum Schluss: Erst im Tiebreak des dritten Satzes entschied Justine Hénin die Partie für sich, aber auf den Rängen klafften große Lücken. Auch tags zuvor, im Halbfinale zwischen Hénin und Jennifer Capriati, war der Zuschauerzuspruch nach der Regenpause kaum größer als bei einem beliebigen Zweitrundenspiel. Eberhard Wensky, Turnierdirektor der German Open beim LTTC Rot-Weiß, glaubt trotzdem nicht, dass sein Turnier in der Krise steckt. „Wir haben 135 VIP-Logen, und davon haben wir fast alle verkauft“, sagt er .

Ein paar VIP-Karten hat der Turnierdirektor Wensky allerdings auch für Promi-Gäste benötigt, die er persönlich eingeladen hat. Nur war es nicht so ganz einfach, spendabel zu sein. Im März 2002 erhielt Wensky einen Brief von Dominik Leu, „Financial Controller“ des Vermarkters IMG, der die VIP-Logen und -Karten vermarktet. Auch Wensky bezieht die Karten für seinen persönlichen Gebrauch von IMG. Doch diesmal schrieb ihm Leu: „Nach den Erfahrungen des Vorjahres kann die LTTC Rot-Weiß Sport GmbH VIP-Karten nur gegen Vorkasse beziehen.“

Was war geschehen? Turnierdirektor Wensky war bis Februar auch Geschäftsführer der Rot-Weiß-Sport GmbH, und die ist beim Tennisklub für den Spitzensport zuständig. Im vergangenen Jahr bestellte Wensky 537 VIP-Karten. Das kostete trotz Sondertarifs rund 75 000 Mark. Bis zum 30. Mai 2001 hätte Wensky bezahlen müssen, Ende September war das Geld noch immer nicht bei IMG angekommen. Die Firma erhielt das Geld mit monatelanger Verzögerung.

Aber das Hamburger Unternehmen wartete nicht bloß auf dieses Geld. IMG-Controller Leu erinnerte Wensky noch an ein anderes Problem: „Trotz mehrfacher Ankündigung Ihrerseits konnten wir nach wie vor leider keinen Eingang der von uns für die Spieler Abel und Petzschner verauslagten Gelder verzeichnen. Ich habe daher die Forderungen der IMG GmbH (...) verrechnet. Den Restbetrag in Höhe von DM 39 210,03 werden wir im Lauf des diesjährigen Turniers verrechnen.“ Abel und Petzschner sind Rot-Weiß-Spieler, die auch einen Vertrag mit IMG haben. Ausgerechnet IMG, der wichtigste Vertragspartner von Wensky bei den German Open, besteht nun auf Vorkasse.

Das Misstrauen von IMG kommt kaum überraschend. Denn Wensky hat es nicht sonderlich mit sparsamem Wirtschaften. Unter seiner Regie häufte die GmbH bis zum Stichtag am 30. September 2001 Verluste von 248 681,14 Mark an. Steuerschulden, Spielergehälter und Platzpacht konnten nur mit monatelanger Verzögerung gezahlt werden. Im Winter musste Wensky als Geschäftsführer abtreten. Ein paar Monate zuvor hatte er zudem einen Aufhebungsvertrag als Klubdirektor von Rot-Weiß unterschrieben. Falsche Bilanzen, Luftbuchungen, zu spät gezahlte Steuern.

Aber beim Turnier hatte Wensky in der vorigen Woche wieder seinen strahlenden Auftritt. Rot-Weiß hat ihn erneut als Turnierdirektor vorgeschlagen, der Deutsche Tennisbund hat ihn akzeptiert. Warum? Das wüsste Hartmut Fromm auch gerne. Fromm ist Mitglied des Klubausschusses: „Für mich ist es unvorstellbar, dass der Vorstand von Rot-Weiß nicht handelt, und Wensky weiter als Turnierdirektor auftritt“, sagt er. Früher war Fromm Schriftführer. Als die Luftbuchungen aufflogen, trat er zurück.

Hans-Jürgen Jobski, der Vizepräsident, hält eisern am Turnierdirektor Wensky fest. Weil Wensky bei den German Open gute Arbeit machte, sagt er intern. Gunnar Streidt, der Klubchef, ist vorsichtiger: „Wir haben Wensky im September vorgeschlagen. Damals war noch nicht bekannt, wie schlecht die Situation der GmbH ist.“ Wensky selbst sagt: „Sicher habe ich Fehler gemacht, aber der Vorstand auch. Doch ich habe nie daran gedacht, als Turnierdirektor aufzuhören. Ich habe ja mit dem DTB immer korrekt abgerechnet.“ Stimmt, sagt Georg Körner, bis Juli 2001 Geschäftsführer der DTB-Holding. „Er hat qualifiziert für uns gearbeitet. Wenn Rot-Weiß nicht sagt, er hat goldene Löffel gestohlen, können wir nichts machen.“ Aber der Verein sagt nichts. Obwohl Schatzmeister Wolfgang Wever am 7. Juni 2001 in einer internen Sitzung erklärt hat: „Der Klub gilt schlechthin als säumiger Zahler.“ Die gesamten Verbindlichkeiten des Klubs liegen laut der Bilanz 2000/2001 bei 3,5 Millionen Euro.

Aber vielleicht geht es auch nur schlicht um Macht. Wensky hat immer noch viele Anhänger im Klub. „Vizepräsident Jobski stützt Wensky so sehr, weil der ihm Stimmen und die Wiederwahl sichert“, sagt ein Insider des Klubs. Gut möglich freilich, dass Eberhard Wensky schon sehr bald Gegenwind erhält. Ein hoher Funktionär des Deutschen Sportbundes mit sehr guten Kontakten hat gehört, „dass die beim DTB stocksauer auf Wensky sind. Die wollen ihn gleich nach dem Turnier absägen.“

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