Sport : Nur geringer Protest der Umweltschützer vor dem Auftakt in Melbourne

Karin Sturm

In den Formel-1-Boxen von Melbourne herrscht vor dem Saisonauftakt am Sonntag (4 Uhr/MEZ/live in RTL und Premiere World) kaum sichtbare Nervosität. Von kleinen Sorgen da oder dort einmal abgesehen. Diese bieten wenig Stoff für Schlagzeilen. So wird darüber gemunkelt, dass BMW so kurz vor dem Debüt seine Öldruckprobleme immer noch nicht im Griff hat. Der Wirbel hält sich auch deshalb in Grenzen, weil die Stars, wie die WM-Favoriten Michael Schumacher und Mika Häkkinen, aber auch Heinz-Harald Frentzen, erst für heute ihre ersten großen Auftritte absolvieren werden. Unter diesem Vorzeichen treten Randgeschichten in den Mittelpunkt. Für die Heiterkeit des Mittwochs sorgte, dass die Streckenposten nicht zu ihrem Einweisungs-Meeting gelangen können. Sie verfügen nicht über die passenden Ausweise. Das übertriebene Sicherheitsdenken in der Formel 1 sorgte damit für eine kleine Aufregung im Albert Park.

Nur die Außenwelt scheint sich der allgemeinen Ruhe nicht hundertprozentig anschließen zu wollen. Ein halbes Dutzend Umweltschützer hatte sich aus Protest gegen das Rennen im Albert Park am Zaun der Boxengasse angekettet, ehe sie von der Polizei abgeführt wurden. Ein Tramfahrer-Streik mit dazugehörigem Chaos - wie vor drei Jahren geschehen - droht diesmal beim Grand-Prix-Auftakt nicht. Im Gegenteil, die Straßenbahnen der Hauptstadt von Victoria sind als Werbemittel zum Teil der Formel-1-Szene geworden. Jaguar hat sich ihrer bemächtigt. Schließlich passt die grüne Lackierung der Trams bestens zum "British Racing Green", das die früheren Stewart-Fords in ihrem ersten Jahr unter dem neuen Namen erkennen lässt. Die beiden Piloten Eddie Irvine und Johnny Herbert gewöhnen sich unterdessen auf ungewohnte Weise in Australien schon mal an Geschwindigkeit. Mit ihren Jet-Ski machten sie bei einem Zwischenstopp das Hafenbecken von Sydney unsicher. Langsamer angehen ließ es dagegen Sauber-Pilot Pedro-Paulo Diniz. Der Brasilianer vergnügte sich bei einer Ruderpartie über den See im Albert Park, der in der Mitte der Rennstrecke liegt.

Jordan-Zugang Jarno Trulli bolzte dagegen Kondition mit intensivem Squash-Training. Der diesjährige Teamkollege von Heinz-Harald Frentzen ist ohnehin ein Fitness-Freak. Im November möchte er den New-York-Marathon laufen. Sein größtes Ziel ist jedoch ein anderes: der erste Grand-Prix-Erfolg. McLaren-Konstrukteur Adrian Newey, der nicht nur in Ferrari, sondern auch in Jordan einen möglichen Konkurrenten um den WM-Titel 2000 sieht, traut ihm das zu: "Der Jordan ist das einzige neue Auto, an dem ich ein paar wirklich neue, interessante Ideen gesehen habe. Ich weiß natürlich nicht, ob diese funktionieren. Aber wenn, dann wird Jordan sehr, sehr stark sein." Heinz-Harald Frentzen wird diese Aussage mit der Hoffnung verbinden, in seiner Melbourne-Bilanz statistisch korrekt weitermachen zu können. 1998 war er Dritter, 1999 Zweiter - und 2000?

Wenn es nach den australischen V8-Supercar-Fahrern ginge, die in Melbourne im Rahmenprogramm starten werden, dann hieße der Australien-Sieger allerdings Michael Schumacher. Bis auf zwei - die glauben an Coulthard - tippen alle auf einen Triumph des Ferrari-Stars. Es wäre Schumachers erster Sieg im zehnten Rennen "down under". Zwei zweite Plätze 1992 und 1997 waren die beste Ausbeute. Ein Erfolg wäre auch ein gutes Omen für den Saisonausgang: Mit Ausnahme von 1997 - Coulthard - und 1999 - Irvine - wurde in den letzten zehn Jahren der Sieger des Saisonauftakt-Rennens jeweils auch immer Weltmeister.

Die Zielflagge beim ersten Grand Prix des Jahres 2000 wird diesmal kein Funktionär, sondern der fünfmalige Motorrad-Weltmeister Mick Doohan schwenken. 1998 durfte der zurückgetretene Champion sogar einmal einen Williams ausprobieren, den er in Barcelona aber an eine Mauer setzte. Aber die Flagge schwenken ist ja einfacher ...

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