Sport : Nur Gold ist realistisch

Jenny Wolf ist die große Olympia-Hoffnung der deutschen Eisschnellläufer

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Foto: dpaEPA

Der Vergleich klingt schräg, aber irgendwie auch gut. „Jenny hat vom Start weg einen perfekten Laufstil, wie ein Auto mit Acht-Gang-Getriebe und übergangslosem Schalten“, verkündet Erhard Keller. „Sie wird Olympiasiegerin.“ Keller hat zweimal Olympiagold über 500 Meter im Eisschnelllauf gewonnen, 1968 und 1972, der Mann aus München kennt sich aus.

Olympiasiegerin also – was auch sonst? „Wenn man es rational betrachtet, kann bei Olympia nichts anderes herauskommen als Gold. Ich müsste schon eine Menge falsch machen.“ So redet Jenny Wolf aus Berlin selber. Sie hat bisher in dieser Saison die 500-Meter-Strecke dominiert, in Salt Lake City verbesserte sie im Dezember den Weltrekord auf 37,00 Sekunden, rational betrachtet führt das zur Goldmedaille. Dummerweise gibt es aber auch viel Irrationales im Sport.

Aber Jenny Wolf, so viel steht jetzt schon fest, ist die größte Goldmedaillenhoffnung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Die Liste der Hoffnungsträger ist allerdings ziemlich klein geworden. Claudia Pechstein, wegen Dopings verurteilt, kämpft ebenso verzweifelt wie fast hoffnungslos um einen Olympiastart, die 16-malige Weltmeisterin Anni Friesinger leidet immer noch unter Knie- und Sprunggelenksproblemen.

Wolf hatte zu Saisonbeginn an drei Schrauben die Einstellungen ihrer Schlittschuhe verändert, ein kleines, aber wichtiges Detail. Bedeutsamer ist allerdings, dass sie die enorme Geschwindigkeit, die sie auf den ersten 100 Metern erreicht, auch in der Kurve fast optimal halten kann. Früher ist sie abgefallen. Beim Weltcup in Heerenveen hat sie ihrer schärfsten Rivalin Wang Beixing auf der ersten Geraden gut vier Zehntelsekunden abgenommen, eine Glanzleistung.

Anni Friesinger hätte gerne nur eine starke Konkurrentin über 1000 Meter. Auf dieser Strecke möchte sie Olympiagold, das ist ihr Traum, Gold über 1000 Meter fehlt der Doppel-Olympiasiegerin noch. Aber dieses Medaille bekommt sie nicht, wenn sie weiter „ziemlich hässlich“ läuft. So sieht sie sich selber auf dem Eis. Ihren Start bei der Sprint-WM im Januar in Obihiro, Japan, hat sie bereits abgesagt.

Pechstein fällt aus, Friesinger ist angeschlagen, das ist vor allem für den Teamwettbewerb ein Problem. Immerhin sind die Deutschen Titelverteidiger. In Salt Lake City liefen Stephanie Beckert, Daniela Anschütz-Thoms und Katrin Mattscherodt auf Rang drei. Rein rational betrachtet haben Beckert und Monique Angermüller in Vancouver kaum Medaillenchancen, obwohl sie die Aufsteigerinnen der Saison sind. Trotzdem sagt Frauen-Bundestrainer Markus Eicher: „Monique kann eine Medaille gewinnen.“

Es lässt sich eben nicht alles planen im Sport. Auch kein Olympiasieg. Sicheres Gold für Jenny Wolf? Da winkt ihr Trainer Thomas Schubert bloß ab. „Ich werde das nicht bestätigen“, sagt er. „Dazu sind die Unwägbarkeiten einfach zu groß.“

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