Sport : Nur kein Risiko

Herthas Trainer Huub Stevens wird gegen Leverkusen wohl noch auf Marcelinho verzichten

Stefan Hermanns

Berlin. Marcelinho hat zuletzt einige öffentliche Auftritte absolviert; es waren nicht die, die er sich selbst vorgestellt hat. Der brasilianische Mittelfeldspieler des Berliner Bundesligisten Hertha BSC ist als Studiogast beim Fernsehsender Premiere aufgetreten, und in der vergangenen Woche hat er die dritte Runde des Paul- Rusch-Pokals ausgelost: Marcelino trifft Medizin Friedrichshain und TSV Oranke/Al Kauthar gewissermaßen. Viel lieber würde Marcelinho wieder selbst Fußball spielen. Am Samstag gäbe es die nächste Möglichkeit, wenn die Berliner im Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen antreten. Dieses Spiel ist in letzter Zeit immer wieder als Termin für das Comeback des Brasilianers genannt worden. „Man muss realistisch sein“, sagt Herthas Trainer Huub Stevens. Mit anderen Worten: Das Spiel kommt für Marcelinho noch zu früh.

Dabei fehlt der Brasilianer jetzt schon weit länger, als es in den ersten Diagnosen nach seiner Verletzung vorhergesagt worden war. Sechs bis acht Wochen werde Hertha wohl auf Marcelinho verzichten müssen, hatte es Anfang August geheißen. Jetzt sind es schon fast zehn. „Ein Ermüdungsbruch ist was ganz anderes als ein normaler Bruch“, sagt Stevens. Herthas Trainer ist generell der Ansicht, dass er in seinem Job in bestimmten Situationen auch mal ein größeres Risiko eingehen müsse, „aber in dieser Situation?“ Nur mal angenommen, Marcelinho würde gegen Leverkusen spielen, sich aber erneut verletzen, „dann heißt es, der Stevens lässt wieder verletzte Spieler auflaufen“, sagt Stevens.

Am 2. August, beim Saisonauftakt gegen den SV Werder Bremen, hat Marcelinho sein letztes Spiel für Hertha bestritten. Kurz vor der Pause musste er mit einem Mittelfußbruch ausgewechselt werden. Weil es seitdem nicht läuft für die Berliner, wird die Krise vor allem mit dem Fehlen des Spielgestalters begründet. Selbst Stevens, der in der Regel des Personenkults unverdächtig ist, hat mehrmals gesagt: „Ein Marcelinho ist nicht zu ersetzen.“

Es wäre also das Schlimmste, wenn Herthas Trainer nun ein unverantwortliches Risiko einginge und Marcelinho dadurch erneut für längere Zeit ausfiele. Wesentlich schlimmer jedenfalls, als noch eine Woche, bis zum Bundesligaspiel bei Hansa Rostock, zu warten – ganz egal, wie sehr die Mannschaft in ihrer schwierigen Situation Marcelinho, dessen Ideen und Spielwitz, auch brauchen mag. „Aber du willst einen Spieler, der acht, neun Wochen gefehlt hat, doch auch gut an die Mannschaft heranführen“, sagt Stevens. Davon kann bei Marcelinho noch keine Rede sein. „Er ist noch nicht im Rhythmus.“

Sie hoffen bei Hertha ohnehin darauf, dass Marcelinho schneller einsatzfähig wird als andere Spieler. Manager Dieter Hoeneß hat prognostiziert, dass der Brasilianer nach dem Einstieg ins Mannschaftstraining nur noch zehn Tage brauche. Aber Marcelinho arbeitet erst seit vergangenem Freitag wieder auf dem Fußballplatz, am Donnerstag soll er zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren – sofern eine Mannschaft da ist. Die Stammspieler werden nur auslaufen, weil sie erst in der Nacht vom Uefa-Cup-Spiel bei Groclin Grodzisk (Mittwoch, 17.30 Uhr) zurückkehren. Bliebe das Abschlusstraining am Freitag. Marcelinho hat trotzdem gesagt, dass er einen Einsatz gegen Bayer für realistisch halte. Aber das entscheidet nicht er.

„Marcello will gerne“, sagt Stevens. Im Moment arbeitet der Brasilianer mit Konditions- und Rehatrainer Carsten Schünemann an der Rückkehr in die Mannschaft. Gestern durfte er eine Viertelstunde mit den Kollegen trainieren. „Wir sind auf Kurs“, sagt Schünemann. Marcelinho verkrafte die Belastung sehr gut, und manchmal müsse man ihn sogar bremsen. „Aber lieber so“, sagt Carsten Schünemann, „als wenn man ihn anschubsen müsste.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar