Sport : Nur keine Lässigkeit

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Von Andre Görke

Berlin. Dieter Hoeneß, der Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, hat den Angestellten seines Klubs einen Betriebsausflug spendiert. Nach London? Nach Lissabon? Nach Leverkusen. In die Bayarena, in jenes Fußballstadion, das so schön neben der Autobahn liegt. Für Herthas Manager ist die Tour nach Leverkusen die letzte Dienstreise dieser Saison. Also eine ernste Angelegenheit. Denn dort kicken Herthas Profis am Nachmittag gegen Bayer Leverkusen.

Hertha hat einen Startplatz im Uefa-Cup sicher und könnte an diesem Nachmittag etwas lockerer auftreten. Für Leverkusen dagegen, den Tabellenzweiten, geht es an diesem Samstagnachmittag um alles: Der Klub spielt um die Deutsche Meisterschaft und muss unbedingt gewinnen, um sich die Chance auf den Titel zu wahren. Hertha wird sich nicht sonderlich mühen, befürchtet Leverkusens Konkurrenz aus Dortmund und München. Bayer könnte es einfach haben. „Blödsinn“, sagt Herthas Trainer Falko Götz. „Wir werden dort nicht lässig auftreten. Wir stehen im Fokus von ganz Fußballdeutschland. Bayer Leverkusen wird es gegen uns sicherlich nicht einfach haben.“

Für Götz wird das Auswärtsspiel in Leverkusen der letzte stressige Arbeitstag sein. Im Juli übernimmt Huub Stevens seinen Job in Berlin. „Ich will mich ordentlich verabschieden“, sagt Götz. Ein bisschen Erfolg kann er noch gebrauchen, einen neuen Arbeitgeber hat Götz noch nicht gefunden. „Es gibt zwei, drei Anfragen aus dem In- und Ausland. Ich hatte aber keine Zeit, diese genauer anzuschauen. Ich werde in den kommenden Tagen einige Gespräche führen“, sagt Götz. „Aber erst nach dem Spiel in Leverkusen.“

Am Freitagnachmittag schickte Götz seine Männer noch eine Stunde auf den Trainingsplatz. Viele Profis standen ihm nicht zur Verfügung, auch Stefan Beinlich hatte einige Minuten zuvor abgesagt: Der Mittelfeldspieler musste seine Frau ins Krankenhaus fahren. „Er hat aber gesagt, dass er auf jeden Fall in Leverkusen dabei ist“, sagt Götz. Verteidiger Marko Rehmer dagegen sitzt mit den Kollegen Denis Lapaczinski und Eyjölfur Sverrisson in Leverkusen nur auf der Tribüne. Sie alle sind verletzt. In der Bayarena wird auch Kostas Konstantinidis erwartet. Der Mittelfeldspieler, den Hertha BSC vor einigen Wochen nach Bolton ausgeliehen hatte, schaute gestern bei den alten Kollegen in Berlin vorbei. „Sehnsucht“, sagt Konstantinidis.

Heute Nachmittag will sogar Sebastian Deisler mitspielen. Für den 22-Jährigen ist es der letzte Arbeitstag in Berlin. Deisler wechselt im Sommer zu Bayern München. Deisler aber sagt: „Ganz ehrlich: Ich gönne Leverkusen den Titel, Bayer hat einfach guten Fußball gespielt.“ Herthas Trainer Götz kündigte an, Deisler erstmals nach dessen Muskelfaserriss vor vier Wochen wieder für einige Minuten spielen zu lassen. „Nicht von Anfang an, aber für einen Kurzeinsatz reicht es“, sagt Deisler. „Ich will unbedingt noch einmal für Hertha spielen, ich will diesen Moment genießen.“ Die Motivation der Mannschaft sei gar kein Problem, sagt Deisler. „Wir werden uns garantiert nicht kampflos ergeben. “

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