• Nur keine Panik - Beim Team Telekom stellt man sich die bange Frage nach Ullrich nicht

Sport : Nur keine Panik - Beim Team Telekom stellt man sich die bange Frage nach Ullrich nicht

Hartmut Scherzer

Es ist schon ein Kreuz mit dem Ballast und der Belastung. Wenn erst einmal "zwei, drei, vier Kilo weg sind", sagte Rudy Pevenage und zwinkerte dabei lustig, dann werde Jan Ullrich auch wieder problemlos die Berge hoch kommen. "Nur keine Panik!" Nach dem verlorenen Kampf im Schwarzwald wurde der immer noch leicht übergewichtige Star des Teams Telekom wieder mal von der Frage eingeholt: Kommt der potenzielle Anwärter auf das Gelbe Trikot bis zum Start der Tour de France in knapp fünf Wochen noch in Form? Die Zeit wird knapp.

Zwischen Frühstück und Start zur vierten Etappe der Deutschland-Tour versuchte Jan Ullrich gestern auf einer Pressekonferenz im Hotel Rindenmühle in Villingen eine Antwort zu geben. Vorsichtig drückte er sich aus, suchte die Balance zwischen gefasst und gelassen. "Es könnte immer ein bisschen besser sein", räumte er ein. "Aber ich habe noch ein paar Wochen Zeit und fühle mich gut. Ich regeneriere schnell nach dem Wettkampf. Ich gehe meinen Weg und weiß, dass ich es noch schaffen kann, bis zur Tour eine gute Form aufzubauen." Aber jetzt reicht sie noch nicht - und das ist auch verständlich nach zwei Monaten Rennpause zwischen März und Mai -, um bei einem Anstieg vom Kaliber des Kandel als Kletterkünstler in Erscheinung zu treten. "Ich kann auch nicht von einem auf den anderen Tag zaubern." Fünf Minuten hatte der Merdinger bergauf eingebüßt, am Ziel waren es 15. Eine Abstand, der manchem bange macht.

Doch wer im Trott und im Tross der frierenden Nachzügler durchs Ziel rollt, für den spielen die Abstände letztlich keine Rolle. "Insgesamt war ich eigentlich ...", leitete Ullrich die selbstkritische Einschätzung seiner Leistung auf der Königsetappe ein, brach den Satz ab, um dem Gesagten nach längerer Denkpause eine kritischere Richtung zu geben, " ... was heißt zufrieden. Ich habe gebracht, was ich zurzeit kann. Das habe ich vorher gewusst." Ullrich lenkt von seinen Schwächen auf die Stärken des Teams ab. "Der Gesamtsieg geht vor. Das ist das Entscheidende momentan." Er stelle sich voll in den Dienst der Mannschaft, auch zum eigenen Vorteil: "Die Etappen sind schwer. Es wird schnell gefahren. Es gibt Arbeit im Wind vorne. Das bringt mich alles weiter."

Beim Zeitfahren am Mittwoch in Herzogenaurach, so hatte es Ullrich während des Comebacks beim Midi Libre in Südfrankreich angekündigt, wolle er "nicht nur achtzig Prozent" geben, "sondern versuchen, nahe ans Limit heranzukommen". Nun hat der Weltmeister seine Domäne bei der Deutschland-Tour abgeschrieben, will sich weder testen noch zeigen. "Ich bin hier außen vor", machte er einen Rückzieher. "Ohne gute Form kann man kein Zeitfahren gewinnen. Ganz klar. Wenn ich am Berg gut bin, dann kann ich auch gut zeitfahren." Der Kandel, der mythische Berg dieser Deutschland-Tour, hat Jan Ullrich doch etwas ins Grübeln gebracht. Für die Heimatrundfahrt sieht der Chef seine Aufgabe nur noch als Domestike. Ullrich fragt sich, "ob ich mich im Zeitfahren voll belasten soll, auf die Gefahr hin, dass ich am nächsten Tag dem Team nicht mehr helfen kann". Die realistische Einschätzung verdrängt den Zwiespalt. "Eine Chance auf den Sieg im Zeitfahren habe ich nicht. Ganz klar." Ganz klar ist für seinen Sportlichen Leiter Rudy Pevenage: "Jan wird beim Start zur Tour so gut in Form sein, dass er um das Gelbe Trikot kämpfen kann." Dann ohne Belastung, ohne Ballast.

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