Sport : Nur mitgelaufen

Erkenntnisse zu Willi Daumes Rolle im Naziregime

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Foto: p-aZentralbild

Osnabrück - Der Historiker Jan C. Rode hat die Rolle des früheren Sportfunktionärs Willi Daume im Nationalsozialismus zurechtgerückt. „Nach meinen Recherchen war er nicht mehr als ein Mitläufer“, sagte Rode der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Wissenschaftler von der Universität Hannover hatte bei der Recherche für seine nun veröffentlichte Dissertation festgestellt, dass Daume während des Zweiten Weltkrieges Informant für den Sicherheitsdienst (SD) der SS gewesen sei.

Wie Rode erklärte, gebe es beim Entnazifizierungsverfahren Berichte eines Geschäftspartners aus Den Haag, in denen Daume bestätigt werde, dass er während des Krieges geholfen habe, Niederländer in ihre Heimat zurückzubringen. „Darüber hinaus finden sich keine antisemitischen Äußerungen seinerseits“, sagte Rode. Er sehe keinen Anlass, nach Daume benannte Plätze oder Hallen umzubenennen: „Seine Leistungen für die Einheit des deutschen Sports und die olympische Bewegung sind dadurch nicht geschmälert.“    Nach seinen Erkenntnissen war der 1996 gestorbene Daume Ende 1937 der NSDAP beigetreten und hatte von 1943 an für den SD berichtet.

Als „zumindest irritierend“ empfindet Rode, dass der Deutsche Olympische Sportbund in seinem Pressedienst noch 2009 behauptet habe, Daume sei nie NSDAP-Mitglied gewesen. „Daume ist 1937 eingetreten, nicht – wie viele andere Funktionäre – gleich nach der Machtergreifung 1933“, sagte Rode, „aber auch nicht erst 1938, wie er selbst gesagt hat.“ In einem Interview aus dem Jahr 1993 für ein Forschungsprojekt der Universität Hannover habe Daume selbst über seine Tätigkeit für den SD geredet. „Er hat gesagt, dass er die Informantentätigkeit 1943 aufgenommen hat, um einem Fronteinsatz zu entgehen“, sagte Rode. „Nach seiner Darstellung hat er nur belanglosen ’Blödsinn’ erzählt.“   Nach dem Krieg stieg Daume zum Präsidenten des Deutschen Sportbundes und Nationalen Olympischen Komitees auf. Bis 1991 gehörte er auch dem Internationalen Olympischen Komitee an. Populär machten ihn in Deutschland die Olympischen Spiele von 1972. dpa

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