Sport : Nur nicht aufhalten lassen

Dank der WM 2007 will sich Handball in Deutschland als Teamsportart Nummer zwei etablieren

Natalie Gress

Würzburg - Wenn Heiner Brand schon einmal mit einem anderen Sportler verglichen wird, dann höchstens mit Franz Beckenbauer. Diesen Vergleich hat sich Brand mit seinen großen Erfolgen verdient, wie dem Weltmeistertitel 1978. Genervt ist Brand davon nicht, im Zusammenhang mit Beckenbauer genannt zu werden. „Eigentlich ist es eine Ehre für mich“, sagt er. Von einem anderen Vergleich aber rät er ab: „Wir dürfen Handball nicht mit Fußball messen.“ Er spiele sich „in ganz anderen Dimensionen ab“ – wirtschaftlich, gesellschaftlich und medial. Hinter Fußball aber will sich Handball etablieren. Und da eignen sich andere Mannschaftssportarten besser als Maßstab: Eishockey und Basketball.

Im Breitensport hält Handball mit derzeit rund 850 000 Mitgliedern im weltweit größten Fachverband, dem Deutschen Handball-Bund (DHB), mit deutlichem Vorsprung den zweiten Rang. Im Spitzensport dagegen streiten Handball und Eishockey um die Gunst der Zuschauer. Insgesamt rund 2,3 Millionen besuchten in der Saison 2004/05 die Spiele der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – pro Begegnung durchschnittlich knapp 6400 Zuschauer. Die Partien der Handball-Bundesliga verfolgten etwa 1,3 Millionen Menschen und damit 4100 pro Spiel. Die Basketball-Bundesliga (BBL) lockte dagegen „nur“ knapp 800 000 Besucher an; das entsprach im Durchschnitt rund 3300 Fans pro Duell.

Die Entwicklung der vergangenen Jahren offenbart: Das Interesse der Deutschen am Basketball hat leicht nachgelassen, im Eishockey geht es nach oben. Klar gewonnen hat aber Handball. Das bestätigt der Geschäftsführer des Deutschen Sportfernsehens (DSF), Thomas Deissenberger, gegenüber dem Internetportal „handballimfernsehen.de“: „Unsere Reichweiten zeigen, dass die Handball-Bundesliga gegenüber der DEL und der BBL im Fernsehen wesentlich besser funktioniert. Zum Vergleich: Als das DSF noch die DEL und die BBL live übertragen hat, sahen rund 150 000 (DEL) beziehungsweise 100 000 (BBL) Zuschauer zu. Mit der Handball-Bundesliga erreichen wir das Dreifache.“ Und das EM-Finale 2004 zwischen Gastgeber Slowenien und Deutschland sahen mehr als fünf Millionen Zuschauer live im DSF – die drittbeste Quote seit Bestehen des Senders laut Deissenberger. Er sagt: „Handball ist hinter König Fußball ganz klar Mannschaftssportart Nummer zwei.“

Dass sie sich als solche weiter etabliert, dazu soll vor allem die Weltmeisterschaft 2007 im eigenen Land beitragen. Der am Samstag beim DHB-Bundestag in Würzburg wiedergewählte Präsident Ulrich Strombach aber glaubt: „Die schwierigste Aufgabe kommt erst danach, nämlich die WM-Euphorie mit in die folgenden Jahre zu nehmen.“ Sie soll dafür sorgen, dass Handball in den Medien präsenter und sein zuweilen dörfliches und grobes Image aufpoliert wird.

Entscheidend für die Zukunft des deutschen Handballs aber wird sein, wie das DHB-Team bei der WM abschneidet. Würde Brand sie zum Titel führen, wäre er an Weltmeister-Trophäen als Spieler und Trainer so reich wie der Mann, mit dem er so oft verglichen wird. Dann wäre er tatsächlich der „Beckenbauer des Handballs“. Und der erwachende Riese Handball die unumstrittene deutsche Teamsportart Nummer zwei.

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