Sport : „Nur nicht ausruhen“

Teamchefin Barbara Rittner über den überraschenden Aufstieg des deutschen Fed-Cup-Teams in die Weltgruppe

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Frau Rittner, sind Sie nach der Aufstiegsfeier schon ansprechbar?

Natürlich, wir fahren gerade mit der Fähre von Bol nach Split. Wir haben gestern nicht viel gefeiert, ich habe einen Caipirinha bestellt, den ich noch nicht einmal austrinken konnte. Ich war einfach zu platt.

Aber Sie haben beim 4:1 im Fed-Cup über Kroatien gar nicht selber Tennis gespielt.

Ich habe als Teamchefin zugesehen, das ist viel anstrengender.

Dafür lief alles so, wie Sie sich das vorgestellt haben: Das deutsche Team zählt wieder zu den acht besten Nationen der Welt.

Es ist sogar besser gelaufen. Gegen Indonesien im April wollte ich gewinnen, aber gegen Kroatien hatte ich nur Siegchancen von 40 Prozent ausgerechnet.

Wie kam es zu dem Erfolg?

Wir haben eine gute Truppe mit tollem Mannschaftsgefühl. Und eine Anna-Lena Grönefeld, die ihre Führungsrolle sehr gut ausfüllt. An ihrem Trainingsfleiß können sich alle anderen nur ein Beispiel nehmen.

Warum haben Sie überraschend Sandra Klösel im zweiten Einzel für Julia Schruff nominiert?

Ich habe immer gesagt, ich brauche Spielerinnen, die voll mitziehen. In dieser Konsequenz hat Sandra Klösel gespielt. Julia Schruff hatte verhalten trainiert, und bei ihrer Niederlage gegen Karolina Sprem fehlte mir ein bisschen die Frechheit, sie hätte sich noch mehr Mut machen können. Darauf muss sie noch hinarbeiten.

Wann hat das deutsche Damentennis zuletzt positive Schlagzeilen geschrieben?

Als wir in Essen gegen Indonesien gewonnen haben. Außerdem hat Anna–Lena Grönefeld bis jetzt eine gute Saison gespielt, auch wenn sie in Wimbledon in der ersten Runde ausgeschieden ist. Aber das Doppel mit Martina Navratilova hat danach ihr Selbstvertrauen gestärkt. Sie wird in den kommenden Jahren für einige positive Schlagzeilen sorgen. Das kann nur nach vorne gehen.

Und wie geht es für das Fed-Cup-Team weiter?

Ich hoffe, dass wir 2006 ein Heimspiel haben werden und einen attraktiven Gegner wie Belgien oder USA bekommen. Das kann man besser vermarkten und mehr Interesse bei Medien und Sponsoren wecken. Aber es wird schwer, in der Weltgruppe zu gewinnen.

Wird jetzt alles gut im deutschen Damentennis?

Das Wichtigste ist: Nur nicht ausruhen. Wir müssen dafür sorgen, dass junge Spielerinnen besser aufschließen. Der Deutsche Tennis Bund darf jetzt nicht sagen, irgendwie geht es schon.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

Barbara Rittner, 32, beendete im Januar ihrer aktive Karriere und übernahm als Teamchefin das deutsche Fed-Cup-Team. Zudem sichtet und trainiert sie auch den Tennis-Nachwuchs.

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