Sport : Nur nicht Letzter werden

Das Hockey-Nationalteam ist bescheiden geworden

Stefan Hermanns

Berlin - Markus Weise ist ein Mann klarer Worte. Vor zwei Wochen, nach einem Lehrgang der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, hat der Bundestrainer einer jungen Spielerin sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass er sie für eine internationale Karriere einfach für zu langsam halte. Janina Totzke und Eileen Hoffmann vom Berliner HC mussten sich ähnlich harte Urteile anhören. Totzke hatte Weise für zu leicht befunden, und bei Hoffmann hatte er geklagt, dass sie ihren Gegnerinnen nur hinterherlaufe. Doch wenn die deutschen Hockeyfrauen heute (20 Uhr MEZ) in Rosario gegen Australien ihr erstes Gruppenspiel bei der Champions Trophy bestreiten, werden sowohl Totzke als auch Hoffmann zum Kader der Nationalmannschaft gehören.

Zweieinhalb Monate ist es her, dass die Deutschen völlig überraschend bei den Olympischen Spielen von Athen die Goldmedaille gewonnen haben. Doch vom erfolgreichen Olympiakader sind nicht mehr viele Spielerinnen übrig geblieben. Bei der Champions Trophy in Argentinien stehen nur noch sieben von ihnen im 18er-Kader. Dafür gehören ihm fünf Spielerinnen an, die in der A-Nationalmannschaft noch überhaupt nicht zum Einsatz gekommen sind. „Wir stehen am Nullpunkt“, sagt Bundestrainer Weise. „Es geht darum, eine neue Mannschaft zu entwickeln.“

Sein bescheidenes Ziel ist es, bei dem Turnier der sechs weltbesten Mannschaften der Welt nicht Letzter zu werden.Das Experimentieren wird Weise ein wenig dadurch erleichtert, dass sein Team als Olympiasieger nicht absteigen kann. Zudem stehen auch andere Nationen vor einem personellen Umbruch. Aber Holland und Argentinien zum Beispiel besitzen ein viel größeres personelles Reservoir; in Deutschland ist die Zahl ausreichend talentierter und qualifizierter Spielerinnen für die Nationalmannschaft gering. Trotz Olympiasieg werden die Deutschen in der Weltrangliste derzeit nur an Platz fünf geführt. „Wenn wir Fünfter werden, reicht mir das aus“, sagt Weise. „Dann habe ich wieder genügend Munition für den nächsten Lehrgang.“

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