Sport : Nur nicht müde werden

Jan Holpert ist schon 35 – und will mit Flensburg-Handewitt endlich Deutscher Handballmeister werden

Klaus Rocca

Berlin. Janine wollte sich, wie im Internet zu lesen ist, nicht mehr waschen, als sie einen Schweißtropfen von Jan Holpert abbekommen hatte. Natürlich hat sich die Handballerin vom MTV Leck längst wieder gewaschen, doch an der Begeisterung für Holpert hat das nichts geändert. Holpert, der unweit von Leck in Handewitt wohnt, kann darüber nur lächeln. Fans hat er genug.

Manche meinen, er sei Deutschlands bester Torhüter, auch wenn er inzwischen für Deutschland nicht mehr zwischen den Pfosten steht. Wenn einem Torhüter eine „Holpert-Quote“ bescheinigt wird, muss er prächtig gehalten haben. „Eigentlich ist jeder Ball haltbar. Das Tor ist klein genug – und ich bin schnell genug“, sagt Holpert.

Erreicht hat Holpert viel. Er gewann mit der Nationalmannschaft den Supercup, wurde 1991 mit dem TSV Milbertshofen Europapokalsieger, holte mit der SG Flensburg-Handewitt den EHF-Cup und in diesem Jahr den DHB-Pokal. Was ihm in seiner Sammlung fehlt, ist der deutsche Meistertitel. „Diesmal sollten wir dran sein“, sagt Holpert. Dran war er mit Flensburg-Handewitt in den letzten Jahren oft, am Ende reichte es fast immer nur zu Platz zwei. Nun ist der Klub aus dem hohen Norden Herbstmeister, wird auch diesmal als Titelanwärter gehandelt. Trotz der Dreifach-Belastung durch Champions League, in der die Norddeutschen gestern als Viertelfinalgegner den kroatischen Traditionsklub RK Zagreb zugelost bekamen, Bundesliga und deutschen Pokal. Doch vielleicht steht am Ende wieder Lemgo, Kiel oder Magdeburg vorn.

Lange hat Holpert nicht mehr Zeit, sich seinen Traum vom Meistertitel zu erfüllen. 35 Jahre ist er inzwischen alt. Doch noch lange nicht müde. Gerade hat er seinen Vertrag, der bis 2005 mit beidseitiger Option lief, um ein weiteres Jahr verlängert. Dabei ist Holpert, Vater zweier Kinder, so manches Mal in Zeitnot. Schließlich ist er auch bei der Flensburger Sparkasse im Marketing tätig. „Mein Arbeitgeber lässt mir aber viel Zeit, mich dem Handball zu widmen“, sagt Holpert.

Treue und Zuverlässigkeit sagt man ihm nach. Treu ist er seinem Verein seit 1993 geblieben. Zwischendurch, als sein Vater aus beruflichen Gründen nach München zog, spielte er mal für Milbertshofen, doch dann zog es ihn wieder gen Norden. Einmal war Holpert nicht zuverlässig, doch das ist schon 14 Jahre her. Damals spielte er in der deutschen Junioren-Nationalmannschaft, Trainer war Horst Bredemeier. Nach einem EM-Sieg gegen den Gastgeber Spanien „bin ich mit mehreren Mannschaftskameraden in eine Diskothek gegangen. Das hat man uns sehr übel genommen.“ So übel, dass Holpert und die anderen Sünder vom Deutschen Handball-Bund für ein halbes Jahr gesperrt wurden.

Auf 234 Länderspiele hat es Holpert dennoch gebracht. Und in der Bundesliga ist er inzwischen in den 500er-Klub aufgenommen worden. Dort waren schon vorher seine Torwart-Idole Andreas Thiel und Stefan Hecker angekommen.

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