Sport : Nur nicht übertreiben

100-Meter-Weltmeister Yohan Blake unterlässt es klugerweise, sich zum ernsthaften Rivalen von Usain Bolt zu stilisieren

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Verlegenheits-Weltmeister. Yohan Blake holte nur WM-Gold über 100 Meter, weil Usain Bolt gepatzt hatte. Foto: dpa
Verlegenheits-Weltmeister. Yohan Blake holte nur WM-Gold über 100 Meter, weil Usain Bolt gepatzt hatte. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Am Donnerstagabend hat Yohan Blake beim Meeting in Zürich Asafa Powell über 100 Meter besiegt. Das ist wichtig für Blakes Image. Powell ist Ex-Weltrekordler, er hat einen guten Namen, ihn zu besiegen, ist eine Prestigesache. Außerdem ist Blake 9,82 Sekunden gerannt, eine Zehntelsekunde schneller als im WM-Finale von Daegu. Da hatten 9,92 Sekunden zum Sieg gereicht. 9,82 Sekunden ist eine sehr gute Zeit.

Yohan Blake aus Jamaika ist Weltmeister über 100 Meter. Das klingt natürlich seltsam, und Blake muss nun gegen den Ruf kämpfen, ein Verlegenheits-Weltmeister zu sein. Er gewann ja nur, weil Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler Usain Bolt einen Fehlstart verursacht hatte. Ein paar kritische Blicke begleiten Blake sowieso, weil er wegen Dopings drei Monate gesperrt war. Dann gab es ja noch heftige Diskussionen, ob Blake an diesem Fehlstart die Hauptschuld trägt. Er hatte am Start zuerst gezuckt, nicht stark genug, damit die Sensoren ausgelöst wurden, mit denen ein Fehlstart angezeigt wird. Aber möglicherweise stark genug, um Bolt zu irritieren und aus den Blöcken zu jagen.

Am Sonntag hat Blake seinen Landsmann Michael Frater, den Olympiazweiten Richard Thompson (Trinidad) und den WM-Dritten Kim Collins aus Saint Kitts and Nevis als Hauptgegner. Mit Frater gewann Blake bei der WM Staffelgold in Weltrekordzeit.

Blake lieferte zwar nach seinem WM-Sieg eine nette Show, er sagte zu Journalisten: „Ich habe anderes zu tun, als mit Bolt über seinen Fehlstart zu reden, ich bin der neue Weltmeister, wissen Sie.“

Aber Blake ist klug genug, diesen WM-Sieg nicht über die ersten Emotionen hinaus als wegweisende Großtat zu verkaufen. Er redet sich nicht zu einer realen Bedrohung von Bolt hoch. „Ich wollte bei der WM eine Medaille; dass ich Weltmeister geworden bin, ist ein Meilenstein“, sagte er gestern. „Ich denke auch nicht jeden Tag daran, wie ich Usain Bolt schlagen könnte. Usain zu besiegen, ist nicht mein Hauptziel.“ Das lautet vielmehr: „Ich möchte mich unter den besten Drei in der Welt etablieren.“

Der Sieg jetzt in Zürich ist vor allem wegen der Zeit bemerkenswert. „Ich fühle mich eigentlich sehr müde“, sagte er. Aber Powell war zuletzt angeschlagen, er hatte auf einen WM-Start verzichten müssen, schwer einzuschätzen, wie gut er in Topform gewesen wäre. Er hat eine Saisonbestzeit von 9,78 Sekunden. Wie stark Usain Bolt wirklich ist, das kann Blake jeden Tag sehen. Er ist in der Trainingsgruppe des Superstars. Und dessen Marktwert kann Blake bloß neidisch beobachten, trotz des WM-Titels. Für Bolt muss ein Veranstalter wohl 250 000 bis 300 000 Euro hinlegen. Für Blake reichte es in Berlin aber immerhin für einen Nachschlag. Die Istaf-Verantwortlichen haben Blake schon lange vor der WM verpflichtet, aber nach dessen WM-Sieg „hat es nochmal ein paar Gespräche gegeben“, sagt Istaf-Geschäftsführer Martin Seeber und muss grinsen.

Wie stark er im Duell mit Bolt ist, das kann der 100-Meter-Weltmeister noch mal in ein paar Tagen beim Meeting in Brüssel testen. Da treffen die beiden über 200 Meter aufeinander. Auf der Strecke ist Bolt in Daegu Weltmeister geworden.

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