Sport : Nur noch die Hälfte wert

Fernsehdebatte hat Vierschanzentournee beschädigt

Benedikt Voigt

Berlin - Christian Pirzer von der Vermarktungsgesellschaft IMG wird den Split-Screen vermissen. Bei dieser Technik wird im großen Fernsehbild in der oberen rechten Ecke ein kleines Bild eingeblendet. Auf diesem Platz konnten die Kunden des Vierschanzentournee-Vermarkters im letzten Jahr noch ihre Produkte bewerben, während gleichzeitig die Springer über die Schanze rauschten. Das wird es nicht mehr geben, der Fernsehsender RTL hat gestern bekannt gegeben, dass er nach sieben Jahren aus der Wintersportberichterstattung aussteigt. Die Vierschanzentournee wird zumindest in diesem Winter bei ARD und ZDF laufen. „Und da gibt es Limitierungen, was die Vermarktung betrifft“, sagt Pirzer, „aber ich bin sehr froh, dass endlich klar ist, wo die Tournee gezeigt wird.“ Zumal bereits in sieben Wochen die ersten Springer von der Oberstdorfer Schanze fliegen werden.

In einer Pressemitteilung gab RTL gestern bekannt, dass der Sender „dem Deutschen Skiverband seine TV-Rechte an den österreichischen Springen der Saison 2007/2008 abgetreten hat“. Darüber hinaus verzichtet RTL auch auf das Matching Offer Right, das zuletzt den Verkauf der Fernsehrechte des Deutschen Skiverbandes verhindert hat und den Verband in eine Finanzkrise stürzte. Diese Lösung dürfte den DSV einiges gekostet haben, zuletzt war von sechs Millionen Euro die Rede, was jedoch vom Skiverband dementiert wurde. Gestern sagte DSV-Chef Alfons Hörmann: „Wir geben keinen Kommentar zu laufenden Verhandlungen.“ Sein Verband steht kurz davor, auch die übrigen Wintersportrechte zu veräußern. Dabei dürfte der DSV aber nicht die zweistellige Summe bekommen, die er angestrebt haben soll. RTL hatte dem Verband zuletzt 14 Millionen Euro pro Jahr gezahlt. Der Skiverband hat schon angekündigt, die eingeleiteten Sparmaßnahmen weiter fortführen zu wollen.

Die Vierschanzentournee aber hat stark gelitten. Vier von sieben möglichen Sponsoren stehen erst unter Vertrag, Christian Pirzer bemüht sich, weitere zu finden, doch seine Verhandlungsbasis ist schlechter geworden. Einmal, weil das Skispringen bei den Öffentlichen nur eine von vielen Wintersportveranstaltungen ist. Und weil die lange Zeit ungeklärte Fernsehsituation das Image der Veranstaltung beschädigt hat. Christian Pirzer sagt: „Die Tournee ist jetzt nur noch die Hälfte wert.“

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