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Nur noch Hertha BSC : Pal Dardai nicht länger Ungarn-Coach

Das Hin und Her hat ein Ende: Hertha-Trainer Pal Dardai gibt sein Amt als Nationaltrainer Ungarns auf. Der frühere Hertha-Co-Trainer und heutige Sportdirektor Ungarns, Bernd Storck, springt für Dardai ein.

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Den Ball vor Augen, die Mannschaft im Rücken: Pal Dardai kümmert sich zukünftig nur noch um Hertha BSC.
Den Ball vor Augen, die Mannschaft im Rücken: Pal Dardai kümmert sich zukünftig nur noch um Hertha BSC.Foto: dpa

Selbst der Fahrstuhl im Mannschaftshotel machte kurz Pause, zuvor hatte er ja auch vorbildlich seinen Dienst verrichtet. Nacheinander waren jene acht Spieler von Hertha BSC auf ihr Zimmer verschwunden, die am zweiten Tag des Trainingslagers in Schladming den mitgereisten Reportern Rede und Antwort gestanden hatten. Endlich Mittagspause! Dazu passte das Bild von Manager Michael Preetz, der um 14 Uhr auf der Sonnenterrasse bei einem Kaffee saß.

Neun Minuten später verkündete Hertha dann wie aus dem Nichts eine Entscheidung, die den Verein über Wochen beschäftigt und für reichlich Diskussionen gesorgt hatte. Demnach wird Trainer Pal Dardai künftig ausschließlich für den Fußball-Bundesligisten arbeiten und sein Amt als ungarischer Nationaltrainer aufgeben. Die Entscheidung sei nach einem „konstruktiven Gespräch“ zwischen Manager Preetz und Dardai gefallen. „Die Tätigkeit von Pal Dardai als Cheftrainer erfordert alle Konzentration und kompletten Einsatz“, ließ sich Preetz in der Mitteilung zitieren. Dardai ließ ausrichten, er akzeptiere und respektiere die Entscheidung. „Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht. Ich möchte mit meinem Team in der kommenden Saison eine gute Rolle spielen. Dafür brauche ich alle Energie.“

Hertha und Dardai vertraten einen anderen Standpunkt

Das entscheidende Wort lautet Klarheit. In der Personalie Dardai gab es nämlich seit jeher zwei Deutungen: die von Hertha BSC und die des ungarischen Verbands. Die Berliner beriefen sich immer wieder auf eine Vertragsklausel, nach der Dardai, seit Februar 2015 Cheftrainer, im Falle des (eingetretenen) Klassenerhalts seine Aufgaben als ungarischer Nationaltrainer aufzugeben habe. Wobei der Umkehrschluss wohl ebenfalls galt: Im Falle des Abstiegs wäre Dardai höchstwahrscheinlich nicht Hertha-Trainer geblieben und hätte die ungarische Mannschaft weiter betreuen können.

Dardai und auch der ungarische Verband vertraten einen anderen Standpunkt. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich die Sachen zu Ende bringe, die ich angefangen habe“, sagte Dardai noch vor ein paar Wochen. Das war aus persönlicher Sicht nachvollziehbar: Schließlich haben die Ungarn in der EM-Qualifkation so gute Aussichten wie lange nicht. Wenn Dardai das Nationalteam tatsächlich zur EM geführt hätte, der ersten seit 44 Jahren, er wäre wohl unsterblich geworden in der Heimat. So tritt Bernd Storck, der frühere Assistent von Hertha-Trainer Jürgen Röber und aktuelle U-20-Trainer in Ungarn, Dardais Nachfolge an. Der 39-Jährige soll ihn persönlich dafür vorgeschlagen haben. Bereits am Dienstag soll Storck offiziell vorgestellt werden. „Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben“, sagte Dardai noch über seine Zeit als ungarischer Cheftrainer, „und ich bin überzeugt, dass Ungarn die EM-Endrunde erreicht.“

Juristisch will der Verband nicht gegen Hertha vorgehen

Die Fans in der Heimat hat Dardai mit diesen freundlichen Worten allerdings nicht wirklich besänftigen können. Wenige Minuten nach der Entscheidung fanden sich ein paar heftige Kommentare auf der Facebook-Seite des Bundesligisten wieder. Dardai war für eine persönliche Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch nach der abendlichen Einheit im Trainingslager verschwand er ebenso im Teamhotel wie seine Spieler.

Csanyi Sandor, Präsident des ungarischen Fußball-Verbands MLSZ, berichtete, Hertha habe in den Gesprächen nicht mehr über Dardais Doppelrolle diskutieren wollen. Außerdem vertritt er weiterhin die Auffassung, „dass Hertha unseren Vertrag mit Pal Dardai nicht respektiert“. Juristisch will der Verband trotzdem nicht gegen den Bundesligisten vorgehen – weil sich ein etwaiger Prozess bis weit über das Ende der EM-Qualifikation hinausziehen könnte.

Für die ungarischen Medien ist das Thema dagegen noch nicht ganz vom Tisch. Übereinstimmenden Medienberichten zu Folge gibt es wohl noch die Chance für Dardai, weiter als Nationaltrainer zu arbeiten, allerdings unter einer Voraussetzung, die im Moment sehr theoretisch erscheint und dem Umworbenen kaum gefallen dürfte: Falls er nämlich bis Oktober schon als Cheftrainer bei Hertha BSC entlassen sein sollte. (Mitarbeit: Istvan Deak)

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