Sport : Nur Roßkopf siegt: Deutsche verpassen Halbfinale der WM

Jörg Petrasch[Guangzhou]

Jörg Roßkopf hatte vorgelegt. Durch seinen grandiosen Sieg über den besten Abwehrspieler der Welt, Joo Se Hyuk, brachte der Rekordnationalspieler in seinem letzten wichtigen Spiel bei einer Weltmeisterschaft Deutschland 1:0 in Führung. Damit keimte Hoffnung auf, gegen den WM-Zweiten Südkorea ohne den deutschen Star Timo Boll eine Medaille zu gewinnen. Doch nach drei Stunden intensiver Auseinandersetzung und vielen hochklassigen Ballwechseln verpasste das deutsche Team im Viertelfinale der Mannschafts-WM in Guangzhou durch eine 1:3-Niederlage das Halbfinale. „Die Koreaner haben gewackelt, sind aber nicht gefallen“, sagte Bundestrainer Richard Prause. Und der 38 Jahre alte Roßkopf sagte: „Man hat gemerkt, dass sie Respekt vor uns hatten.“

Den Respekt der Gegner und die Leistungen bei dieser WM, die für das deutsche Team mehrere Fallschnüre auf den Weg aufs Podest ausgelegt hatte, werden von in Erinnerung bleiben. Aber auch das letztmalig gleißende Aufleuchten der deutschen Lichtgestalt Jörg Roßkopf und die beschleunigte Entwicklung des Dimitrij Owtscharow zum Spitzenspieler. Sehr viel für paar Tage in Guangzhou, wo zwei Wochen vorher noch ein historischer Schneesturm die ganze Stadt lahmgelegt hatte.

Nach Bolls verletzungsbedingter Absage verletzten sich in China auch noch Christian Süß und Bastian Steger, so dass nur noch drei einsatzfähige Spieler übrig blieben. Doch die spielten auf einmal furios auf. Vor allem Jörg Roßkopf. „Jedem in der Halle, der Rossi so hat spielen sehen, ist das Herz aufgegangen“, sagte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig danach. „Was er gespielt hat, war wirklich historisch. Ich bekomme sogar noch eine Gänsehaut, wenn ich im Nachhinein darüber spreche.“ Der allerletzte Schritt aufs Siegerpodest wurde den tapferen Tischtennisspielern nun verwehrt. Trotzdem kann diese Leistung mit etwas Abstand zu einem wertvollen Baustein für zukünftige Medaillen angesehen werden. Mit dem 20-jährigen Patrick Baum steht zudem ein weiteres Talent bereit, um in das Team als gleichwertiger Spieler integriert zu werden.

Einer war dennoch nicht zufrieden. „Nach einer Niederlage bin ich nie zufrieden“, sagt Dimitrij Owtscharow direkt nach dem verlorenen Viertelfinale. Damit macht er klar: Er will mehr. Olympia steht vor der Tür, und mit einem gesunden Boll und einem Christian Süß steht die nächste Medaillenchance an. Vielleicht reicht es dann zu mehr als zu reinen Respektsbekundungen.

In der Platzierungsrunde um Rang fünf bis acht treffen die deutschen Spieler heute auf Taiwan, und immerhin einen tröstenden Erfolg können sie noch erreichen: beste Europäer in diesem Turnier zu werden.

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