Sport : Nur Schieben ist langsamer

Michael Schumachers alter Ferrari ist nicht konkurrenzfähig – womöglich gilt das auch für das neue Auto

Karin Sturm[Sepang]

Selbst Michael Schumacher mochte nichts mehr schönreden. „Das war viel harte Arbeit für zwei Punkte“, sagte der siebenmalige Formel-1-Weltmeister. „Wir waren nicht konkurrenzfähig und müssen uns in allen Bereichen verbessern.“ Nur mit viel Glück, begünstigt durch Ausfälle und Fehler der Konkurrenten, hatte Schumacher seinen langsamen Ferrari beim Großen Preis von Malaysia in die Punkteränge manövriert. Wenigstens entging Schumacher der Überrundung durch den späteren Sieger Fernando Alonso im Renault. Ein Schicksal, das Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello vor seinem Ausfall nicht erspart blieb. Als auch Jarno Trulli, der Zweitplatzierte, Barrichellos Ferrari überrundete, konnten sich die Mitglieder der Toyota-Crew an der Boxenmauer ein Lachen nicht verkneifen.

Ferrari hat die Hegemonie über die Formel 1 verloren. So gedemütigt wurde der Rennstall schon lange nicht mehr wie am vergangenen Wochenende. Jahrelang hat Ferrari die anderen Teams nicht nur sportlich, sondern auch politisch immer wieder düpiert, wichtige Entscheidungen blockiert, sinnvolle Lösungen verhindert. Jetzt wird im Fahrerlager mit unverhohlener Schadenfreude zur Kenntnis genommen, dass sich Ferrari diesmal ganz offensichtlich verrechnet hat.

Der Plan, mit dem modifizierten Vorjahreswagen F2004M in die Saison zu starten, hat sich als falsch herausgestellt. Nicht einmal mit den Autos des neuen Red-Bull-Rennstalls konnte der Rote mithalten. Dem Zwittermodell aus bewährtem Gerüst und neuem Aufbau fehlt es an konzeptioneller Harmonie, um schnell zu sein. Einen Schritt weiter in die Isolation ist Ferrari zudem mit der Entscheidung gegangen, als einziges Team auf Bridgestone-Reifen zu setzen. Während die anderen Rennställe gemeinsam mit Michelin einen Reifen entwickelt haben, der im Qualifying schnell ist, aber auch das ganze Rennen durchsteht, können die Italiener diese Aufgabe allein gar nicht leisten.

Michael Schumacher versucht dennoch, nach außen nicht noch zusätzlich Unruhe zu verbreiten. „Ich glaube, dass wir auch 2005 wieder Rennen gewinnen werden. Das wird aber vielleicht ein bisschen dauern“, sagt der 36-Jährige und fügt hinzu: „Ob wir das in puncto Meisterschaft noch hinbekommen, das muss man im Moment in Frage stellen.“ In dieser Hinsicht hängt alles vom F2005 ab. Nach den Testfahrten in dieser Woche wird die Entscheidung fallen, ob der neue Wagen schon beim nächsten Rennen in Bahrain am 3. April zum Einsatz kommt. Die Chancen, so hört man aus Teamkreisen, stünden im Moment 80 zu 20 dafür. „Solange das Auto nicht fertig ist, ist es eben nicht fertig“, sagt Michael Schumacher. Doch der Weltmeister weiß, dass die Titelverteidigung immer unwahrscheinlicher wird, je länger er den F2004M steuern muss.

Eine Sekunde pro Runde schneller soll der neue Wagen im Vergleich zu seinem Vorgänger sein. Diese Zahl hat Ferrari zuletzt immer wieder lanciert. Selbst wenn dies zutreffen sollte – es gibt erhebliche Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung – wäre Schumacher nur bedingt geholfen. Der Rückstand auf die überlegenen Renaults betrug in Malaysia im Schnitt knapp zwei Sekunden pro Runde. Flavio Briatore gibt sich entsprechend unbeeindruckt. „Eine Sekunde schneller soll das Auto sein? Soll es doch“, sagt Renaults Teamchef. „Wir wollen allein durch Entwicklungsarbeit bis Bahrain auch noch mal eine Sekunde zulegen.“

Briatore hofft sogar, dass Ferrari unter dem Druck der schlechten Ergebnisse bei den ersten beiden Rennen den Neuen so schnell wie möglich einsetzt. Wenn man in der Formel 1 hektisch agiere, würden sich Fehler einschleichen, „und dann kommt erst recht nichts dabei heraus. Aber uns soll es nur Recht sein.“ Flavio Briatore grinst, während er das sagt. Noch ein bisschen mehr als sonst.

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