Sport : Nur siegen ist schöner

Michael Schumacher bejubelt Platz zwei beim Formel-1-Auftakt hinter Alonso – Neuling Rosberg begeistert

Karin Sturm[Manama]

Ross Brawn trommelte frustriert mit der Hand auf die Boxenmauer. Der Technikchef von Ferrari hatte gerade die entscheidende Szene des Auftaktrennens zur Formel-1-Saison 2006 in Bahrain miterlebt. Zu Beginn der 40. Runde kam Weltmeister Fernando Alonso im Renault aus der Box geschossen und ging gleichauf mit dem bis dahin führenden Michael Schumacher in die erste Kurve. Am Kurvenausgang war der Spanier vorn und blieb es auch bis zum Ziel.

Enttäuscht waren Schumacher und Brawn trotzdem nicht – im Gegenteil. Sichtlich gelöst und entspannt genoss der siebenmalige Weltmeister seine Rückkehr in die absolute Spitze der Formel 1. „Wenn man nun vorher gesagt hätte, dass wir hier Zweiter werden, hätten wir dankend angenommen“, sagte der 37-Jährige. „Es wird sehr eng werden, es gibt vier Teams, die gewinnen können – ich bin froh, dass wir eines davon sind.“

Tatsächlich ließen Schumacher und Ferrari der überraschenden Poleposition vom Samstag noch Überraschenderes folgen. Anstatt – wie von den meisten Experten vorausgesagt – für eine Drei-Stopp-Strategie hatten sie sich für nur zwei Boxenstopps entschieden und konnten während des gesamten Rennens mit Weltmeister Alonso im Renault mithalten. Der Spanier zeigte sich davon allerdings nicht überrascht: „Ich habe immer gesagt, dass wir nicht die einzigen Favoriten sind.“

Am Ende fehlten Schumacher nur wenige Meter zum triumphalen Comeback-Sieg. „Das war der entscheidende Moment“, sagte Schumacher über die Szene in der 40. Runde. „Vielleicht hat mir heute die eine Runde gefehlt, die ich früher als ursprünglich geplant tanken musste.“ Im komplizierten NachtankReglement, das für die Besten des Qualifikationstrainings das Nachfüllen des dort verbrauchten Benzins vor dem Start erlaubt, war Schumacher Sprit für eine Runde abgezogen worden, weil er sie beim Ausrollen zu langsam absolviert hatte. „Natürlich wäre ein Sieg noch schöner gewesen, keine Frage“, sagte Schumacher, aber seine Emotionen nach dem Zieleinlauf verrieten auch, dass bei Ferrari die Erleichterung über den geglückten Saisonstart den Frust über den knapp verpassten Erfolg überwog. Mit einem zufriedenen Lächeln verkündete Ross Brawn, was er so lange nicht hatte sagen dürfen: „Wir fahren um den Titel mit.“

Das tun freilich auch noch andere. Kimi Räikkönen zum Beispiel. Der Finne im McLaren-Mercedes war nach seinem Aufhängungsbruch im Qualifying vom letzen Startplatz aus ins Rennen gegangen, schob sich mit einer Ein-Stopp-Strategie durchs gesamte Feld und wurde am Ende vor Jensen Button im Honda Dritter. „Ich hatte schon erwartet, noch in die Punkte zu kommen“, sagte Räikkönen. „Ich war schon in der ersten Kurve in einer sehr guten Position und konnte so gleich ein paar Plätze gutmachen. Das hat sicher geholfen.“ Norbert Haug sparte nicht mit Lob. „Von ganz hinten auf Platz drei – das ist eine sensationelle Leistung“, sagte der Mercedes-Sportchef. „Kimi ist wieder einmal ein sensationelles Rennen gefahren. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Auf dem befindet sich auf jeden Fall auch Nico Rosberg. Der deutsche Williams-Pilot geriet schon in der ersten Kurve mit BMW-Fahrer Nick Heidfeld aneinander, „was uns beiden sicher nicht geholfen hat“, so Heidfeld ätzend. Nach einem 40-Sekunden-Boxenstopp konnte der in einer sensationellen Aufholjagd – unter anderem gekrönt mit der schnellsten Rennrunde – noch bis auf Rang sieben nach vorn fahren. „Das hat ganz besonders viel Spaß gemacht“, meinte Rosberg. „Ich habe vorher immer gehört, es ist unmöglich, in der Formel 1 zu überholen – aber es geht.“ Die rasante Fahrt machte sogar seinen Vater stolz. „Die schnellste Runde im ersten Formel-1-Rennen zu schaffen, ist nicht gerade normal“, sagte der frühere Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg. Heidfeld dagegen kam im ersten Rennen des neuen BMW-Sauber-Teams vom Ende des Feldes nur noch auf Platz 12: „Mehr war vom Speed her einfach nicht drin.“ BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, der am Auto von Jacques Villeneuve einen kapitalen Motorschaden zu beklagen hatte, gab zu: „Wir konnten unsere guten Trainingsleistungen im Rennen noch nicht umsetzen.“

Ein unerfreuliches Wochenende mit überdies noch schlechten Perspektiven erlebte Ralf Schumacher. Platz 14 ist alles andere als das, was man bei Toyota erwartet hatte. Das Auto ist wohl schlicht und einfach zu langsam.

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