Nur zu Hertha gehen sie nicht : Zu wenige Zuschauer im Olympiastadion

Hertha BSC hat trotz anfänglicher Probleme einen guten Saisonstart hingelegt. Dennoch tun sich die Berliner noch schwer, genügend Fans ins Stadion zu locken. In der Aufstiegssaison vor zwei Jahren waren es deutlich mehr. Woran liegt das?

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Zuverlässige Zuschauer: Die Ostkurve ist stets gut gefüllt. Doch im weiten Rund des Olympiastadions bleiben zu viele Plätze leer. Foto: dapd
Zuverlässige Zuschauer: Die Ostkurve ist stets gut gefüllt. Doch im weiten Rund des Olympiastadions bleiben zu viele Plätze leer.Foto: dapd

Mitte der zweiten Hälfte wurden die härtesten Fans von Hertha BSC fast ein bisschen übermütig. „Oberring! Oberring!“, riefen die Anhänger in der Ostkurve. Oberring? Welcher Oberring? Abgesehen von ein paar Inseln im weiten Rund war die zweite Etage des Olympiastadions zum Gähnen leer. Aber die Euphorie über den sich anbahnenden Sieg des Berliner Fußball-Zweitligisten gegen den Tabellendritten 1860 München half über das Gefühl der Leere hinweg: Es erhob sich ein mächtiger Wechselgesang zwischen Unter- und Oberring. Und trotzdem blieb bei aller Freude über den gelungenen Abend und das überzeugende 3:0 ein Beigeschmack. Dieses Spiel hätte einen besseren Besuch verdient gehabt.

Es war das Spitzenspiel der Zweiten Liga: Der Sechste empfängt den Dritten; Hertha hat die Chance, erstmals in dieser Saison auf einen Aufstiegsplatz zu springen, dazu ist 1860 für Zweitligaverhältnisse ein Gegner mit großem Namen. Und trotzdem fanden sich nur 32.547 Zuschauer ein. Neben den guten Argumenten für einen Besuch im Olympiastadion gab es auch genügend Gründe, die dagegen sprachen. „Freitag, 18 Uhr, der Herbst ist eingezogen, das Wetter eher ungemütlich“, sagte Michael Preetz. Aber Herthas Manager weiß auch, dass die Berliner nicht nur wegen der klimatischen Bedingungen bisher eher zurückhaltend sind. Bis Freitag waren die Auftritte der Mannschaft nicht unbedingt dazu angetan, die Massen in Scharen anzulocken. „Wenn wir so weiterspielen, haben wir es selbst in der Hand, unsere Zuschauerzahlen zu verbessern“, sagt Preetz.

Hertha hat für diese Saison mit einem Schnitt von 38.000 Zuschauern kalkuliert, in den bisherigen fünf Heimspielen wurde diese Marke erst einmal übertroffen – gegen Dynamo Dresden, was aber vor allem daran lag, dass der Gast mit seinem Anhang das Olympiastadion flutete. Herthas eigenes Mobilisierungspotenzial liegt bisher bei rund 30.000 Besucher. Das ist eindeutig zu wenig.

Das Spiel Hertha gegen 1860 München in Bildern
Das 1:0 selbst erzielt, das 2:0 kurz darauf vorgelegt: Adrian Ramos (v.) hat gegen 1860 München seinen Einsatz im Angriff gerechtfertigt. Foto: dapdAlle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: dapd
05.10.2012 19:43Das 1:0 selbst erzielt, das 2:0 kurz darauf vorgelegt: Adrian Ramos (v.) hat gegen 1860 München seinen Einsatz im Angriff...

Die Zuschauereinnahmen sind ein wichtiger Bestandteil in Herthas Finanzplanung. Die Saison ist zwar durchfinanziert, sie wird für den Zweitligisten aber wohl wieder mit einem Millionendefizit enden. Mehreinnahmen bei den Zuschauern würden das Minus verringern – danach sieht es derzeit aber nicht aus. Nach fünf Heimspielen fehlen Hertha bereits knapp 5000 Zuschauer im Schnitt. Vor zwei Jahren hatten die Berliner zum gleichen Zeitpunkt bereits gut 38.000 Zuschauer mehr. Das liegt natürlich auch daran, dass Hertha zum Saisonauftakt gegen Paderborn nur 22.500 Karten an die eigenen Fans verkaufen durfte. Aber generell ist die Stimmung nicht ganz so ausgelassen wie vor zwei Jahren. „Damals war eine ganz andere Euphorie in der Stadt“, sagt Preetz. „Im Moment sind die Berliner noch ein bisschen abwartend. Das verstehe ich auch.“

Vor zwei Jahren wurde Hertha fast überrannt. Zum Saisonstart gegen Rot-Weiß Oberhausen kamen annähernd 50.000 Zuschauer ins Olympiastadion. Der Verein wurde von dieser Zuneigung selbst überrascht. In der Lizenzplanung hatte Hertha mit 27.000 Zuschauern pro Spiel kalkuliert; doch weil der Deutschen Fußball- Liga diese Zahl zu optimistisch erschien, musste der Klub den Schnitt auf 22 000 korrigieren. Am Ende lag er dann über 46 000. Neben dem Erfolg der Mannschaft war auch ein anderer Faktor für diese Bilanz verantwortlich: Beim ersten Mal ist die Zweite Liga eben auch ein bisschen Kult; beim zweiten Mal aber ist sie einfach nur: Mist.

Das beginnt schon mit den zuschauerunfreundlichen Anstoßzeiten, gerade bei den Abendspielen am Freitag oder – wie gegen Dresden – unter der Woche. Ein Blick auf die Zweitligasaison 2010/11 zeigt, dass die Begegnungen am Samstag- oder Sonntagmittag meist deutlich besser besucht sind. Bis zum Ende der Hinrunde aber wird Hertha zu Hause kein einziges Mal mehr samstags oder sonntags antreten. Diesen Nachteil kann die Mannschaft wohl nur durch mitreißende Spiele und überdurchschnittlichen Erfolg kompensieren. Im Idealfall ist Hertha beim nächsten Heimspiel, am 2. November gegen Ingolstadt, schon Tabellenführer. Es ist an einem Freitag, um 18 Uhr.

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