O2-World-Eröffnung : Neue Halle, alte Lieder

Die Eisbären-Fans ziehen geräuschvoll um.

Katrin Schulze

Bisher waren die Fans des EHC Eisbären vor allem wegen ihrer besonders lauten Gesänge bekannt. Seit gestern können sie sich nun auch mit dem Zertifikat einer guten Ausdauer schmücken. Schon um 12 Uhr mittags schallte ein lautes „Eisbären Berlin“ über den Alexanderplatz. Etwa 500 Berliner Fans hatten sich dort eingefunden, um sich mit einem Marsch über die Karl-Marx-Allee und das Frankfurter Tor auf das erste Spiel der Eisbären in der 02-World einzustimmen – und um Abschied zu nehmen von ihrer alten Heimspielstätte. Die Abschiedszeremonie vom alten Wellblechpalast gelang jedoch nicht jedem so gut wie den Fans. Vor allem nicht dem Hallensprecher. Mit den Worten „Herzlich Willkommen im Wellblechpalast“ begrüßte er die Zuschauer im neuen Eispalast. Verdutzte Reaktionen der Zuschauer veranlassten ihn schnell zur Korrektur seiner Ansage.

Also dann: Herzlich Willkommen in der 02-World. Dort, wo gestern beim ersten Heimspiel der Eisbären gegen Augsburg eine Fankurve das restliche Publikum mit ihrer Stimmung zu infizieren schien. Bereits beim obligatorischen Einstimmungssong hielt es die meisten Zuschauer nicht mehr auf ihren blauen Polstersesseln. „Hey, wir wollen die Eisbären“ von den Puhdys ging aber nicht jedem Zuschauer ganz flüssig über die Lippen. Unter den 14 000 Gästen befanden sich eben auch einige, die noch nie zuvor ein Eishockeyspiel gesehen hatten. „Wir sind extra zeitig gekommen, um nichts von der Show zu verpassen“, sagte ein Zuschauer. „Leider standen wir dann 30 Minuten vor verschlossenen Türen.“ Trotz der grandiosen Stimmung gab es bei der ersten sportlichen Veranstaltung in der neuen Arena eben auch ein paar kritische Stimmen.

Und auch der Ticketverkauf scheint noch nicht problemlos zu verlaufen. Ein paar Sitzplätze wurden doppelt vergeben. Immerhin ging es den Betroffenen besser als ein paar Zuschauern des Konzerts von Herbert Grönemeyer am Sonnabend. „Da wurden Sitzplätze verkauft, die es gar nicht gab“, sagte ein Ordner. Das müsse sich erst noch einspielen. So wie der Verkauf von Getränken, bei dem sich so lange Schlangen bildeten, dass nicht jedem Besucher innerhalb der 15-minütigen Pause eine Versorgung vergönnt war. Immerhin haben sich die Veranstalter nach einem Gespräch mit den Fans aber dazu entschlossen, eine Biersorte aus dem Harz für 20 Cent weniger anzubieten als noch bei einem Testlauf am Dienstag – 3,60 Euro kosten die 0,4 Liter im Plastikbecher.

Während des Spiels herrschte Eintracht unter den Fans. Pausenlos sangen die Eisbären-Anhänger. Die meisten Lieder überlebten dabei den Umzug vom Wellblechpalast in die O2-World schadlos. Sogar das „Ost-Ost-Ost-Berlin“ hat sich trotz des neuen Standorts in Friedrichshain-Kreuzberg durchgesetzt. Trotzdem gab es auch Indizien für einen zaghaften Wandel unter den Anhängern. In der Fankurve der Eisbären verlor sich ein Mann im Trikot der Preussen, dem ehemaligen Erzrivalen der Eisbären. Auch er kam ohne Blessuren nach Hause: Willkommen in Berlins neuer Eishockeywelt.

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