Sport : Oben angekommen

Auch heute vertritt Szymon Szewczyk bei Alba wieder den gesperrten Wright

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin – Szymon Szewczyk hatte von Gerüchten gehört, die sich um seine Person ranken. Durch den Ausfall des wegen Dopings gesperrten Michael Wright, der auf Szewczyks Position spielt, würde er sich bessere Chancen auf Spielzeiten ausrechnen, hieß es da. „Das stimmt gar nicht“, sagte Alba Berlins Center vor etwa sechs Wochen. Vielleicht hat sich Szewczyk tatsächlich keine besseren Chancen ausgerechnet, mehr Spielzeiten hat der 22-jährige Basketballer aber trotzdem bekommen. „Und die hat er genutzt“, sagt sein Trainer Henrik Rödl.

Seit dem 6. April muss die Mannschaft ohne den US-Amerikaner Wright auskommen, der bis dahin fester Bestandteil der Anfangsaufstellung war. Geschadet hat das dem Team bislang kaum. Ohne Wright hat Alba in der Bundesliga und den Play-offs erst einmal verloren. Das ist auch Szymon Szewczyks Verdienst. Die Lücke, die der 2,02 Meter große Wright unter dem Korb hinterlassen hat, wird zwar nicht ausschließlich von Szewczyk gefüllt. Flügelspieler Matej Mamic beispielsweise spielt seitdem etwas weiter unter dem Korb. Doch Szewczyk ist es, der Wrights Platz in der Startformation einnimmt. „In der ersten Fünf zu spielen ist sehr wichtig für mich“, sagt der Pole. „Das gibt Selbstvertrauen.“ Auch heute, im dritten Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft gegen EnBW Ludwgisburg (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) wird Szewczyk wohl wieder beginnen dürfen. „Ich bin heiß“, sagt er.

Hin und wieder ist Szewczyk ein bisschen zu heiß – der 22-Jährige foult häufig, durchschnittlich 3,4 Mal pro Spiel, so oft wie kein anderer Berliner. Auch da hat sich Szewczyk zuletzt gebessert – zumindest in Relation zu seinen größeren Einsatzzeiten. „Er ist jetzt konzentrierter“, begründet Trainer Henrik Rödl den Wandel. Szewczyk sieht etwas anderes als ausschlaggebend an: „Ich bestimme den Rhythmus des Spiels nun von Anfang an mit. Als ich von der Bank kam, war ich oft zu langsam – oder zu schnell.“

In den ersten beiden Spielen gegen Ludwigsburg erzielte Szewczyk 31 Punkte. Er ist damit in den Play-offs Albas zweitbester Werfer. „Er kann noch mehr“, sagt Kotrainer Burkhardt Prigge. Szewczyk möchte langfristig auch mal in der nordamerikanischen Profiliga NBA spielen. Derzeit zählen für ihn aber nur die Play-offs. „Natürlich gewinnen wir gegen Ludwigsburg“, sagt er. Bei einem Sieg stünde Alba bereits im Halbfinale.

Wahrscheinlich aufgrund seiner starken Leistungen ist Szewczyk mit seinen Formulierungen wieder etwas mutiger geworden. Auch in Bezug auf Wright. „Natürlich bekomme ich durch seinen Ausfall mehr Spielzeiten“, sagt er. Um schnell hinzuzufügen: „Aber dass Wright uns jetzt fehlt, darüber freue mich natürlich nicht.“

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