Sport : Oben ist anders

Michael Rosentritt

über das Hoch der Niedersachsen in der Bundesliga Wie muss sich heute ein Fan von Eintracht Braunschweig fühlen? Umzingelt von den neuen Fußball-Hochburgen Wolfsburg und Hannover. Eintracht Braunschweig, 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga, 1967 Deutscher Meister und 1973 erste Mannschaft mit Reklame auf dem Trikot (Jägermeister). Niedersachsens einstiger Fußballstolz spielt nur noch in der Regionalliga. Eintracht Braunschweig – das war einmal. Heute ist Wolfsburg, heute ist Hannover. Der VfL Wolfsburg hält sich hartnäckig auf Platz eins der Tabelle. Auch Hannover 96 hat sich in der gehobenen Gesellschaft der Liga eingenistet und liegt auf Rang vier. Am sechsten Spieltag war Hannover Tabellenletzter und der Job von Trainer Ewald Lienen in Gefahr. Dann folgten in nur einem Monat fünf Siege in Serie. „So eine Serie hatte ich zuletzt als 13-Jähriger bei TuS Schloß Holte“, sagte Lienen.

Der VfL Wolfsburg ist seit sieben Jahren in der Bundesliga und war nie so gut wie heute. Volkswagen hat viel investiert, seinem Verein ein neues Stadion auf die Wiese gestellt und viele gute Fußballer gekauft, vorwiegend aus Südamerika. Und doch haben die Herren Autohersteller etwas vergessen – den Niedersachsen an sich. Der VfL spielt schönen Fußball, aber kaum einer will ihn sehen. Auch Hannover hat damit ein Problem. Bei beiden Vereinen liegt der Zuschauerschnitt unter der Kalkulation. Warum bloß werden diese beiden Vereine nicht ernst genommen?

Es sind Symptome jenseits der Tabellen-Wirklichkeit, die für den Stellenwert der neuen Niedersachsen stehen. Seit Wochen sucht der VfL Wolfsburg einen Mann für den Posten des Sportdirektors. Marco Bode, früherer Nationalspieler und Europameister, sagte gestern ab.

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