Sport : Oben kommen wenige an

Das Fördersystem gerät im Deutschen Olympischen Sportbund in die Kritik

Robert Ide[Weimar]

Eric Walther ist eine Ausnahme, er hat es längst nach oben geschafft. Der Moderne Fünfkämpfer ist Weltmeister, ein sportliches Vorbild – zumindest in seiner sportlichen Nische. Gleichzeitig ist Eric Walther ein typischer deutscher Athlet: Auch er hat Probleme, den Leistungssport mit seinem restlichen Leben zu vereinbaren. An der Weltmeisterschaft vor drei Wochen nahm der Berliner nicht teil – er hatte auf das Vorbereitungstrainingslager der deutschen Mannschaft verzichten müssen, weil für ihn wichtige Klausuren anstanden. „Ich kann es mir nicht leisten, drei Wochen mein BWL-Studium zu unterbrechen“, sagt Walther heute noch.

Klaus Schormann ist diese Geschichte unangenehm. „So etwas darf nicht noch einmal passieren“, sagte der Präsident des deutschen und des Weltverbandes der Modernen Fünfkämpfer am Freitag in Weimar. Er trifft sich hier mit den Funktionären der anderen Verbände, um ein neues „Steuerungsmodell Leistungssport“ für den deutschen Sport zu beschließen. „Es ist wichtig, dass die Athleten optimale Bedingungen haben“, sagt Schormann. Jeder Funktionär, der zur Vollversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach Weimar gereist ist, sagt diesen Satz. Doch über die Wege dorthin ist im Sport längst Streit ausgebrochen. Denn das Fördersystem bringt unzählige Junioren-Weltmeister hervor – die sich nach ihren ersten Erfolgen nicht für den Kampf um olympische Medaillen, sondern für die Universität oder einen Beruf entscheiden.

„Das System begünstigt den Erfolg in jungen Jahren, aber nicht den langfristigen Erfolg.“ Diese klaren Worte hat Bernhard Schwank gefunden, der neue Leistungssportdirektor des DOSB. Schwank hatte im Sportausschuss des Bundestages gerügt, dass die Arbeit von Nachwuchstrainern nur an den Erfolgen ihrer jungen Sportler gemessen werde, eine langfristige Orientierung jedoch keine Rolle spiele. Die gerühmten Eliteschulen des Sports hätten einen ähnlichen Effekt. Bei den Spitzensportverbänden und den Bundesländern, die die Eliteschulen tragen, brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung aus. Bernhard Schwank musste seine Aussagen abmildern, dennoch bleibt er auch in Weimar dabei: „Wir müssen offen über die Defizite der Sportförderung reden.“

Das neue Leistungssportprogramm des DOSB, das die Spitzenverbände am Freitag berieten und das heute aller Voraussicht nach mit großer Mehrheit von der Vollversammlung beschlossen wird, kann nur ein Anfang dazu sein. Es sieht vor, den Fördererfolg jährlich zu überprüfen, nicht wie bisher im olympischen Vierjahresrhythmus. „Wir werden engmaschiger fördern und kontrollieren“, sagt Christa Thiel, Chefin des Schwimmverbands und im DOSB verantwortlich für alle Spitzenverbände. Aber auch sie weiß: „Jeder Verband muss diese Vorgabe aber auch konkret umsetzen.“

Genau hier liegt oft das Problem. Für den Leistungssport fühlen sich neben den Dach- und Fachverbänden auch die Bundesländer und Olympiastützpunkte zuständig. Jeder will mitreden – doch zu selten wird mit den Athleten selbst gesprochen. Auch der Moderne Fünfkämpfer Eric Walther hat das im Zuge seiner WM-Absage beklagt. „Wir werden dem Fall Eric Walther noch einmal nachgehen“, sagt deshalb Dietrich Gerber, Vizepräsident des Berliner Landessportbundes. Leistungssport müsse besser mit dem restlichen Leben von Athleten vereinbar sein. Der Berliner Sportfunktionär hat darüber auch schon eine Kooperationsvereinbarung getroffen – mit der Humboldt-Universität.

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