• „Oddset hat die Nachfrage neu entfacht“ Buchautor Köpf über das neue Interesse am Wetten

Sport : „Oddset hat die Nachfrage neu entfacht“ Buchautor Köpf über das neue Interesse am Wetten

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Herr Köpf, Sind Sie überrascht, dass ein FußballSchiedsrichter wie Robert Hoyzer offenbar Spiele manipuliert haben könnte, weil er hohe Wettgewinne erzielen wollte?

Nein. Wenn die Möglichkeiten zum Betrug geschaffen werden, muss man damit rechnen, dass manipuliert wird.

Fördern Ihrer Ansicht nach die staatlichen Lotteriegesellschaften, speziell des Sportwetten-Anbieters Oddset, diese Möglichkeiten zum Betrug?

Im Grunde genommen ja. Das staatliche Glücksspiel-Monopol soll einerseits illegales Glücksspiel verhindern und die Spielsucht der Menschen eindämmen. Es soll uns schwache Menschen vor uns selber schützen. Nur: Ausgerechnet diese staatlichen Lotteriegesellschaften verstärken das Interesse am Glücksspiel, schaffen immer wieder neue Angebote und werben lautstark dafür. Die Spielsucht verhindert das nicht, sondern es entsteht eine künstliche Nachfrage.

Welche künstliche Nachfrage?

Früher hieß die Fußballwette Toto. Sie wurde abgeschafft, weil so wenige Leute mitspielten, dass die Gesellschaften draufzahlten. Auch das Rennquintett holte niemand mehr hinterm Ofen vor. Die Nachfrage nach Sportwetten war also nicht mehr da, sie wurde aber neu entfacht. Durch Oddset.

Durch vereinfachte Wettmöglichkeiten?

Genau. Schauen Sie sich doch mal um, wer jetzt alles auf Fußballergebnisse tippt. Zum Buchmacher sind diese Leute nie gegangen. Nun gibt es die Möglichkeit, auf eine Partie zu setzen, man kann übers Internet wetten, die Einsätze pro Partie sind gering. Das alles lockt die Leute. Die Betrugschancen waren früher übrigens auch geringer, kein Schiedsrichter konnte schließlich für einen Totogewinn elf Spiele gleichzeitig verpfeifen.

Glauben Sie, dass jetzt durch diesen Skandal ein Umdenken bei Oddset eintritt und die Wett-Systeme etwas schwieriger werden?

So lange Oddset erfolgreich ist, wird das ganz sicher nicht abgeschafft. Dabei handeln die staatlichen Lotterien mit Angeboten wie Oddset wider ihrem Auftrag. Sie haben nicht die Aufgabe, die Leute zum Spielen aufzufordern. Wenn sie allerdings wie jedes gewinnorientierte Unternehmen auftreten, stellt sich die Frage, weshalb sie durch ein staatliches Monopol vor Mitbewerbern geschützt werden.

– Das Gespräch führte Frank Bachner.

Peter Köpf (44)

ist Journalist und Autor des Buches „Die Lottomafia“, erschienen im Bertelsmann-Verlag. Seine Schwerpunkte sind Politikerbiografien sowie Familienpolitik.

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