ÖSTERREICH ohne Medaille : Touris, Sachertorte und Wolfgang Petry

Der Name ist nicht Programm. Denn Beate Schrott war noch eine der Erfolgreicheren aus Österreich. Foto: dpa
Der Name ist nicht Programm. Denn Beate Schrott war noch eine der Erfolgreicheren aus Österreich. Foto: dpaFoto: dpa

Während man hierzulande nach 86 Medaillen für den Sport- und Innenminister Hans-Peter Friedrich sucht, haben unsere Nachbarn ein ganz anderes Problem: Österreichs Olympioniken haben noch gar keine Medaille. Vor acht Jahren in Athen waren es immerhin sieben auf einen Streich. Doch diesmal könnten sie, wie schon 1964 in Tokio, komplett leer ausgehen. Daher versuchen nun alle, die Pleite zumindest unterhaltsam zu gestalten: Sportminister Norbert Darabos nennt seine Athleten „Olympia-Touristen“, woraufhin Karl Stoss, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (ÖOC), sie gegen die überlegene Konkurrenz verteidigt: „Die anderen schlafen auch nicht.“ Die Medien ziehen gleich mit: Das Boulevardblatt „Kronenzeitung“ ärgert sich über die „rot-weiß-rote Pleite“, und „Der Standard“ aus Wien gibt sich lakonisch: „17. in Peking, 18. in London“ steht unter dem Bild von Turnhoffnung Caroline Weber, daneben die Werbung einer Fluglinie: „London: Günstig hin & retour“. Wer wäre nicht gerne Olympia-Tourist? Zudem spekuliert die Tageszeitung, ob Usain Bolts Mutter mal eine Sachertorte gegessen hat – Hauptsache, irgendein Erfolg. Ein Tag bleibt noch, um Kuwait und Tadschikistan einzuholen. Die haben einmal Bronze. Geschafft hat Österreich das schon mal – 1908. In London. Dort dudelt nun bei jeder Siegerehrung das elegische „Chariots of fire“ von Vangelis, doch zu Österreich passt derzeit eher der Schlagerhit von Wolfgang Petry: „Bronze, Silber und Gold hab’ ich nie gewollt...“Jan Mohnhaupt

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