ÖSTERREICH zu null : Touris, Torte und Schmäh

Während Deutschland nach 86 Medaillen für den Sport- und Innenminister Hans-Peter Friedrich sucht, haben unsere Nachbarn nur ein Problem: Österreichs Olympioniken haben noch keine Medaille. Vor acht Jahren in Athen waren es immerhin sieben auf einen Streich. Doch diesmal könnten sie, wie schon 1964 in Tokio, komplett leer ausgehen. Daher versuchen nun alle, die Pleite zumindest unterhaltsam zu gestalten: Sportminister Norbert Darabos nennt seine Athleten „Olympia-Touristen“, woraufhin Karl Stoss, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (ÖOC), sie gegen die überlegene Konkurrenz verteidigt: „Die anderen schlafen auch nicht.“ Die Medien ziehen gleich mit: „Der Standard“ gibt sich lakonisch: „17. in Peking, 18. in London“ steht unter dem Bild von Turnhoffnung Caroline Weber, daneben die Werbung einer Fluglinie: „London: Günstig hin & retour“. Wer wäre nicht gerne Olympia-Tourist? Zudem spekuliert die Wiener Tageszeitung, ob Usain Bolts Mutter mal eine Sachertorte gegessen hat – Hauptsache, irgendein Erfolg. Ein Tag bleibt noch, um Kuwait und Tadschikistan einzuholen. Die haben einmal Bronze. Geschafft hat Österreich das schon mal – 1908. In London. Jetzt dudelt dort bei jeder Siegerehrung das elegische „Chariots of fire“ von Vangelis, doch zu Österreich passt eher Wolfgang Petrys Hit: „Bronze, Silber und Gold hab’ ich nie gewollt...“Jan Mohnhaupt

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