Österreichs Elf : Bis zum Himmel motiviert

Der Gastgeber hat in den letzten 18 Monaten nur zweimal gesiegt, träumt aber vom EM-Viertelfinale. Trainer Hickersberger bemüht die Historie, um der Mannschaft Mut zu machen.

Frank Hellmann[Stegersbach]
Austria
Ein großer Fußballabend. Österreich besiegte Malta mit 5:1. -Foto: dpa

Es ist ganz dienlich, dass Josef Hickersberger mit Otto Rehhagel zwar regelmäßig telefoniert, aber nicht jeden Rat befolgt. Der Trainer der österreichischen Nationalmannschaft verriet nämlich gestern, worauf ihn der griechische Volksheld im persönlichen Erfahrungsaustausch noch mal hingewiesen habe. „Hicke, jeder Satz, den du bei der EM sagst, ist ein Satz zu viel“, soll Rehhagel gesagt haben. Hickersberger lachte nach diesem Geheimnisverrat unter Kollegen, denn die offizielle Eröffnung des Trainingsquartiers in Stegersbach nutzte er zu einem unterhaltsamen Vortrag. Beabsichtigte Botschaft: Wir sind optimal vorbereitet, bestens gelaunt und bis zum Himmel motiviert. Obwohl der 101. der Fifa-Weltrangliste in anderthalb Jahren nur gegen die Elfenbeinküste (3:2) und just gegen Malta (5:1) gewonnen hat, ist der Optimismus unerschütterlich.

Unweigerlich erinnerte der eloquente Vordenker an seine Zeit als Nationalspieler und an die WM 1978. Aber statt über das 3:2 gegen Deutschland in Cordoba referierte Hickersberger lieber über die damalige Vorrunde: „Da waren wir mit Brasilien, Spanien und Schweden in einer Gruppe und hatten keine Chance. Aber wir haben die Vorrunde überstanden.“ Ergo: Auch diesmal kann solch ein Coup gegen Kroatien, Polen und Deutschland gelingen. Hickersberger, als Disziplinfanatiker bekannt, kündigte sogar an: „Kommen wir weiter, lade ich persönlich die Frauen und Freundinnen der Spieler hier hoch nach Stegersbach ein.“

Bei ihm sind längst die Grenzen zwischen Ernst und Spaß, Ironie oder Schmäh fließend - er personifiziert eine weltmännische Gelassenheit, die sich aus Lebenserfahrung und Abgeklärtheit speist. Dazu gehört, feine Spitzen gegen Störenfriede abzulassen. Dass der Kroate Nico Kovac, bei Red Bull Salzburg unter Vertrag, die Seinen fürs Viertelfinale nicht auf der Rechnung hat, konterte Hickersberger kühl: „Ich habe auch Kovac mit Salzburg als überlegenen Meister erwartet. Es gibt halt solche Fehleinschätzungen.“ Auch bei der gestern live im ORF übertragenen Pressekonferenz hatte er angesichts des schweißtreibenden Scheinwerferlichts einen lockeren Spruch parat. „Ich habe zwar eine Suite mit Sauna, aber der tägliche Aufguss findet hier statt.“ Gelächter unter den Medienschaffenden war die Antwort im umfunktionierten Poolhaus des Hotels Larimar. Dort residieren 110 Berichterstatter, einen Steinwurf entfernt im feudaleren Balance Resort logieren die Nationalspieler. Undenkbar andernorts.

Der Ausblick von der Anhöhe auf das südliche Burgenland ist traumhaft. Hier, 135 Autobahnkilometer südlich von Wien, 20 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt, besitzen vornehmlich betuchte Städter ihr Wochenendhaus, verbringen Künstler ihren Lebensabend. „Wir sind bewusst nicht nach Wien gegangen dort wäre zu viel Hektik gewesen“, sagte Andreas Herzog, die rechte Hand Hickersbergers. In Ruhe und Lockerheit, glaubt der Wiener, liege die Kraft. „Vollgas geben wir dann in den Spielen.“ Herzog hatte auch mit Jürgen Klinsmann Kontakt, um sich über Art und Umfang einer Turniervorbereitung zu beraten, „da waren gute Tipps dabei, aber wir haben nicht alles übernommen.“

Klinsmann hätte gewiss nicht gleich ein öffentliches Schautraining auf dem putzigen Stegerbacher Sportplatz organisiert. Doch die rot-weiß-rote Auswahl will sich nicht total abschirmen, „sonst kriegen wir ja vom Jahrhundertereignis nichts mit“ (Herzog). Beim Training argwöhnisch beäugt: die Torhüter Jürgen Macho (AEK Athen) und Alexander Manninger (AC Siena). Ähnlich wie einst Klinsmann hat auch Hickersberger seine Keeper in einen offiziell noch offenen Konkurrenzkampf geschickt. Am Mittwoch will der Teamchef die Antwort auf die T-Frage verkünden. Macho, der aus Kaiserslautern geflüchtete Schlussmann, gilt als Protegé von Torwarttrainer Klaus Lindenberger und wird wohl am 8. Juni im Ernst-Happel-Stadion gegen Kroatien das Tor hüten.

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