Sport : Özil

Ob Mesut Özil das vermissen wird? Unerkannt an einem gepflegten Rasenplatz des TSV Ganderkesee zu stehen und mit seiner Lebensgefährtin zuzusehen, wie sich deren Sohn beim Fußball vergnügt. Ob der 21-Jährige solch ein Refugium auch bei Real Madrid vorfindet?
Özil hat offenbar ein lukratives wie langfristiges Vertragsangebot der Spanier vorliegen. Das Jahresgehalt soll fünf Millionen Euro betragen. Obwohl Trainer Thomas Schaaf dem Nationalspieler rät, noch ein oder zwei Jahre in der grün-weißen Wohlfühloase zu verbringen, drängt Özil, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft, nun auf einen Wechsel. „Wenn man so ein Angebot hat, möchte man es gerne annehmen“, sagte die Bremer Nummer elf nach dem DFB-Pokalspiel in Ahlen. Seine Statements wirken wie auswendig gelernt.
Strippenzieher im Hintergrund ist Özils gewiefter Agent Reza Fazeli. Das spanische Blatt „Marca“ berichtet bereits, die Real-Verantwortlichen hätten sich mit Fazeli auf die Grundzüge eines Millionen-Vertrages verständigt. Für den Spielerberater und den Spieler dürfte ebenfalls noch Honorar und Handgeld in siebenstelliger Höhe drin sein. Über die Ablöse wird man sich verständigen: Das erste Real-Gebot, die Rede war von neun Millionen Euro, lehnte Werder entrüstet hat. Angeblich fordert Werder mindestens 16 Millionen. „Wir haben Spieler wie Diego und Miroslav Klose ins große Geschäft gebracht. Das gilt auch für Özil. Und das muss von dem neuen Klub auch honoriert werden“, verlangt Vorstandschef Klaus Allofs. Eine Einigung bei 14, 15 Millionen scheint wahrscheinlich. Die Zeit drängt: Am Mittwoch bestreiten die Bremer ihr Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Sampdoria Genua. Wird Özil in der höchsten europäischen Spielklasse eingesetzt, wäre er für einen neuen Arbeitgeber gesperrt. „Wenn Mesut noch nicht bei einem anderen Verein ist, dann wird er spielen, zu hundert Prozent“, sagte Allofs. Damit könnte der Transfer noch scheitern. Meldungen, dass Real ein verbessertes Angebot abgegeben habe, widersprach Allofs.
Wirtschaftlich wird der Wechsel vermutlich ein gutes Geschäft für alle Seiten – die Frage ist nur, ob Özil damit auch sportlich vorankommt. Bei Real Madrid hießen seine Konkurrenten im Mittelfeld Cristiano Ronaldo, Angel di Maria, Rafael van der Vaart, Sergio Canales und der derzeit verletzte Kaka – wer sich da nicht durchsetzt, sitzt schnell auf der Tribüne.
Vielleicht wird Mesut Özil dann an die Zeit zurückdenken, in der er unerkannt, aber glücklich in Ganderkesee stand.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben