Sport : Offene Türen

Wie die Basketball-Europaliga die NBA kopiert

Benedikt Voigt

Berlin. Am Montag um 12.40 Uhr begann für Alba Berlin die neue Europaligasaison. Um diese Zeit ließen die Berliner Basketballer ein Dutzend Journalisten in die Halle C der Max-Schmeling-Halle ein, damit diese das Ende des ersten Trainings beobachten konnten. Was nicht ungewöhnlich klingt, ist bereits die erste Neuerung in der neuen Europaligasaison. Bislang hatten Journalisten nur in Ausnahmefällen Zutritt zum Alba-Training. Eine weitere Neuerung werden die Spieler von Alba Berlin am Mittwoch nach ihrer ersten Europaligapartie bei Asvel Villeurbanne (Beginn 20.40 Uhr) erleben: Eine Viertelstunde nach Spielschluss werden Journalisten die Umkleidekabine der Heim- und der Gastmannschaft betreten.

Damit folgt die Basketball-Europaliga der Union unabhängiger Basketball-Ligen (Uleb) erneut ihrem großen Vorbild, der nordamerikanischen Profiliga NBA. Dort ist diese Regelung seit längerem üblich. Schon mit der Einführung des dritten Schiedsrichters ahmte die beste europäische Basketball-Liga den großen Bruder aus den USA nach. Nun folgt sie ihm erneut und öffnet die Kabinen. „Das ist eine Regelung, die im europäischen Profisport ohne Beispiel ist“, erklärt Euroleague-Pressesprecher Vladimir Stankovic in einer Pressemitteilung. „Wir wollen die Stars des europäischen Basketballs schneller den Medienvertretern zugänglich machen – und durch sie auch den Fans.“

Noch befindet sich die Liga in einem Rechtsstreit mit dem ehemaligen Hauptsponsor Telefonica. 20 Millionen Euro pro Jahr sollte der Telefonkonzern bis 2008 an die Liga überweisen, im Gegenzug bekam eine Telefonica-Tochterfirma die Fernsehrechte. Seit der vergangenen Saison aber will Telefonica nicht mehr zahlen, weshalb die Liga bereits einen Kredit bei der Bank Caixa Catalunya aufnehmen musste, bei dem das zu erwartende Geld aus einem Vergleich mit Telefonica verpfändet wurde. Bei der gestrigen Sitzung des Euroleague-Bords in Rom deutete sich eine Lösung des Problems mit dem alten Sponsor an. „Wir stehen kurz davor“, sagte Albas Vizepräsident Marco Baldi. „Das wäre für alle ein Erleichterung: Es bedeutet, dass bereits zugesagte Finanzmittel gezahlt werden.“ Wie der Vergleich konkret aussieht, konnte Baldi noch nicht sagen. Die Euroleague verkündete allerdings, dass schon ein neuer Sponsor im Hintergrund stünde. „Es ist wieder ein Stück Zukunft da“, sagte Baldi.

Auch beim Thema Fernsehrechte deutet sich ein Kompromiss an. Bislang blockierte der Rechtsstreit auch die Neuvergabe der Rechte. Nun könnte der Regionalsender TV Berlin, der Interesse an Albas Euroleague- und Bundesligaspielen anmeldet, zum Zuge kommen. „Das ist jetzt wahrscheinlicher geworden“, sagte Baldi.

Erst einmal beschäftigt sich Alba mit den vorhandenen Neuerungen. „Wir sehen die Öffnung der Kabinen positiv“, sagt Mutapcic. „Das ist die Entwicklung von Basketball in Europa: Wir kopieren die NBA.“ Zwar reagieren manche Spieler unmittelbar nach dem Spiel sehr emotional, was die Fernsehzuschauer dann erstmals sehen werden. „Aber damit müssen wir leben“, sagt Mutapcic. Dem Trainer scheint die PR-Arbeit am Herzen zu liegen. „Wir hoffen, dass uns das weiter nach vorne bringt“, sagt Mutapcic, „mehr Zuschauer, neue Sponsoren, mehr Interesse.“ Alba geht sogar noch einen Schritt weiter, als es die Euroleague-Regeln verlangen. „Wir werden die Kabine auch nach den Heimspielen der Bundesliga öffnen“, sagt Manager Carsten Kerner. Das gilt bereits für das Spiel am kommenden Samstag gegen Trier. Damit wird Alba die einzige Mannschaft in der Bundesliga sein, die ihre Kabinentür aufmacht.

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