Offener Brief : Leichtathleten machen sich für Doping-Trainer stark

In einem offenen Brief setzen sich bekannte Sportler wie Franka Dietzsch und Christina Obergföll für den Werfer-Trainer Werner Goldmann ein. Der Vertrag des 58-Jährigen war nicht verlängert worden, da er einem Athleten in den 80er Jahren Doping verabreicht haben soll.

Werner Goldmann
Bauernopfer oder Doping-Trainer? Werner Goldmann soll dem Kugelstoßer Gerd Jacobs in den 80er Jahren das Anabolikum Oral-Turinabol...Foto: dpa

Frankfurt/MainNamhafte Werfer um Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch haben sich für eine Wiedereinstellung des Doping-beschuldigten Trainers Werner Goldmann stark gemacht. "Die Gründe der Anschuldigungen sind 25 Jahre her. Mörder sind nach solchen Zeiten amnestiert, entlassen oder rehabilitiert, aber im Fall Goldmann gibt es keine Frist", heißt es in einem offenen Brief von 20 Athleten an das Bundesministerium des Inneren (BMI), den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

Doping-Vorwürfe gegen DDR-Trainer

Gegen Goldmann waren vor den Olympischen Spielen in Peking Doping-Vorwürfe aus seiner Zeit als DDR-Trainer erhoben worden. Der frühere Kugelstoßer Gerd Jacobs hatte behauptet, Goldmann habe ihm in den 80er Jahren das Anabolikum Oral-Turinabol verabreicht. Der Trainer hatte die Vorwürfe bestritten und die vom DOSB geforderte Ehrenerklärung unterschrieben. Der 58-jährige Coach von Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting (Berlin) hatte jedoch beim DLV vom 1. Januar an keinen neuen Vertrag mehr erhalten. Der Verband folgte damit der Empfehlung der Unabhängigen Anti-Doping-Kommission des DOSB unter Leitung des früheren Bundesverfassungsrichters Udo Steiner.

Die Gruppe um Harting und Dietzsch, der unter anderen die Kugelstoßerinnen Petra Lammert und Nadine Kleinert, deren Disziplinkollegen Ralf Bartels und Peter Sack sowie Speerwerferin Christina Obergföll angehören, sprechen von einer "Bauernopferjagd". "Wer aus der alten Riege wird der Nächste sein? Wird jedem ehemaligen Sportler ohne weiteres Glauben geschenkt, auch wenn es dafür keine Beweise gibt?", heißt es in dem Schreiben.

Die Kündigung des Jobs gleiche einer "Amputation, einem Entzug von Lebenselixieren. Hat im Rahmen dieses Verfahrens jemand einmal die Seite Mensch des Werner Goldmanns betrachtet. Hatten DDR-Spitzentrainer die Chance, Nein zu sagen?" Ausdrücklich weisen die Werfer darauf hin, dass sie sich von jeglichen Dopingpraktiken distanzieren. Goldmann habe ihnen trotz des beendeten Arbeitsverhältnisses zugesagt, den Athleten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. (sg/dpa)

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