Sport : Offener Streit über Förderkonzept

Friedhard Teuffel

Berlin - Der deutsche Sport streitet über seine Nachwuchsförderung. Bernhard Schwank, der neue Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hatte am Mittwoch im Bundestag das Fördersystem in Frage gestellt und die Abgeordneten des Sportausschusses damit sehr verblüfft. Die jungen Kaderathleten kämen nicht an der Spitze an. Je älter sie würden, desto geringer werde ihr Erfolg, sagte Schwank. Das blieb nicht ohne Widerspruch. Ulf Tippelt, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen, nannte Schwanks Äußerungen einen „Schlag ins Gesicht“. „Das konterkariert unser Bemühen um Fördergelder und Sponsoren“, sagte Tippelt. Für die Nachwuchsförderung sind in Deutschland die Landessportbünde zuständig.

Unter dem von Schwank angedachten „Paradigmenwechsel“ kann sich Tippelt nichts vorstellen. „Wenn mir jemand erklärt, wie das neue Paradigma aussehen soll, bin ich vielleicht auch dafür“, sagte Tippelt. Schwank hatte anhand von Analysen aufgezeigt, dass Kinder sich zu früh auf eine Sportart spezialisierten und es nicht unbedingt die geförderten Kaderathleten und Schüler der sportbetonten Schulen sind, die später bei Olympischen Spielen Erfolg haben. „Sollen wir deshalb die Vereine machen lassen und dann schauen, ob wir jemand mit 17 oder 18 Jahren dann zu einer internationalen Meisterschaft schicken?“, fragte Tippelt. Er teilte jedoch die Kritik an einer einseitigen Ausbildung. Allgemeine athletische Voraussetzungen sollten künftig wieder stärker gefördert werden.

Eberhard Gienger sieht dies ebenfalls als zentrales Problem an. Die Arbeit der Nachwuchstrainer dürfe nicht nur am kurzfristigen Erfolg ihrer Athleten gemessen werden, sagte der für Leistungssport zuständige Vizepräsident des DOSB. Schwanks Ausführungen im Bundestag wertete der CDU-Abgeordnete Gienger eher als Diskussionsbeitrag denn als Kurswechsel. „Zunächst gilt, was wir als Konzept beschlossen haben. Aber wir werden die Augen vor den Entwicklungen nicht verschließen.“ An Schwanks kritischer Einschätzung wollte Gienger nichts korrigieren: „Der Erfolg unserer Athleten halbiert sich von der Jugend zu den Junioren und danach zu den Erwachsenen noch einmal.“

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