Sport : Offensive aus der Provinz

Oliver Trust

Armin Veh stieg erst einmal in sein Auto und fuhr zu seinen Spielern. Der Trainer musste in Reutlingen ein bisschen Abbitte leisten, "weil es die Mannschaft aus der Presse erfahren hat", dass er am 3. Januar als Trainer bei Hansa Rostock in der Bundesliga anfängt. "Wir wollten das geheim halten, aber es kam irgendwo raus." Seine Zweitliga-Spieler waren nicht sehr überrascht. Seit Tagen standen lange Artikel in der Zeitung, und es lief nicht mehr reibungslos. Die Zeiten, da sie ihn in der schwäbischen Provinz als Helden gesehen haben, weil er mit 28 Siegen und 102 Toren aus der Regionalliga in die zweite Liga aufstieg, sind vorbei. "Jetzt ist der Zeitpunkt da", sagt Veh.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Der Vertrag an der Ostsee bis zum 30. Juni 2003 ist unterschrieben und gilt für die erste und zweite Liga. Mit 100 000 Mark haben sich die Reutlinger den Abschiedsschmerz nach zweieinhalb Jahren lindern lassen. Vehs bisheriger Assistent Reiner Geyer, Ex-Profi aus Nürnberg, wird Cheftrainer. In Rostock wird Veh Nachfolger des glücklosen Friedhelm Funkel, der am 1. Dezember gehen musste. An jenem Tag saß Veh bei seiner eigenen Geburtstagsfeier - er wurde 40 - und dachte nicht an Rostock.

Für seinen neuen Arbeitsplatz hat Veh klare Vorstellungen. Die Reutlinger Spieler mussten ihn siezen, auch die Rostocker werden das müssen. Der Verein im Nordosten wird einen energischen Trainer bekommen, der auf Teamgeist und Disziplin setzt. "Wer auf dem Ego-Trip ist, den wird der Bannstrahl treffen", sagt Veh. Er weiß, dass der Trainer eine Führungspersönlichkeit sein muss. Und er ist es, auch wenn er sich manchmal anders gibt.

Veh trägt gerne Schwarz und gehört eher zu den intellektuellen Trainern. Er liebt Offensivfußball und Kurzpassspiel. "Ich wechsle immer das Spielsystem", sagt er. Kesse Sprüche für dicke Schlagzeilen werden sie von ihm nicht bekommen. Der ehemalige Profi von Borussia Mönchengladbach gibt sich lieber nachdenklich und zurückhaltend. Das hat er überall auf seinen Trainerstationen in Augsburg, Fürth und Reutlingen so gehalten. Überall dort musste er sparen und mit einem kleinen Etat auskommen.

Vielleicht hat deshalb Rostocks Vorstandschef Manfred Wimmer fast gejubelt, als er den Trainer-Transfer bestätigte. "Wir freuen uns, weil Armin Veh zur Philosophie des FC Hansa Rostock passt." Da will Armin Veh nicht widersprechen. Doch auch er hat genau verfolgt, wie es seinen Vorgängern ergangen ist. Ewald Lienen beispielsweise klagte am Ende über den "Ostklüngel" und die Gräben zwischen Ostlern und Westlern. Friedhelm Funkel ist Ähnliches begegnet, am Schluss war er "froh, dass alles vorbei" war. Veh ist gefragt - als Trainer mit Offensivgeist und als Führungspersönlichkeit.

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