Sport : Offensives Gedankengut

Herthas Trainer Falko Götz setzt auf mentales Training und hört sich dabei an wie der neue Bundestrainer

Michael Rosentritt

Berlin - In den nächsten Tagen werden sich Jürgen Klinsmann und Falko Götz in Berlin treffen und ein bisschen miteinander plaudern. Hauptthema wird das Länderspiel gegen Brasilien sein, das am nächsten Mittwoch im Olympiastadion stattfindet. Und vielleicht werden beide Trainer Zeit finden, ein paar andere Erfahrungen auszutauschen. In gewisser Weise gleichen sich die Situationen ihrer Mannschaften. Die deutsche Elf will und muss offensiver und aggressiver Fußball spielen – genau wie Hertha BSC.

Jürgen Klinsmann wird das kommende, spielfreie Wochenende nutzen und seinen Auswahlspieler früher als üblich bei Länderspielterminen zusammenziehen. Er wird die Zeit für intensives Training und persönliche Gespräche mit den Spielern nutzen. „Es muss sich bei jedem der Glaube daran entwickeln, dass wir Großes vollbringen können“, sagt Klinsmann, der vor allem im mentalen Bereich Veränderungen herbeiführen möchte. Das erste Länderspiel unter seiner Führung vor zwei Wochen gegen Österreich sei ein erster Schritt gewesen auf dem Weg, eine „positive Denkweise mit Blick auf 2006“ aufzubauen. Und was für die Nationalmannschaft gut ist, kann Hertha BSC nicht schaden. Der glückliche Sieg vor eineinhalb Wochen im Pokal gegen Aindling (Bayernliga) und das mut- und kraftlose 1:1 gegen Bundesligaaufsteiger Mainz am vergangenen Samstag schreien förmlich nach Veränderungen.

Falko Götz will die zweiwöchige Länderspielpause dafür intensiv nutzen. „Keine Frage, das Selbstwertgefühl ist bei einigen Spielern angekratzt“, sagt Herthas Trainer und hört sich ganz ähnlich wie Jürgen Klinsmann an. Die Spieler müssten wieder an ihre eigenen Stärken glauben. „Wir sind eine Mannschaft, die agiert, die offensiv auftritt, die bestimmt, was auf dem Feld passiert“, sagt Götz. Gestern hat das schon ganz gut geklappt. Das Testspiel gegen Al-Arabi aus Katar gewann Hertha mit 8:2 (4:1) durch Tore von Nando Rafael (3), Solomon Okoronkwo (2), Pal Dardai, Artur Wichniarek und Sejad Salihovic.

Gegen Mainz jedoch war von dem nichts zu sehen gewesen. Das sei keine Frage der fehlenden Kraft, sagt Götz, die Ursachen lägen woanders. „Ich werde mit den Spielern viel reden. Die beiden letzten Spiele müssen aufgearbeitet werden.“ Götz will die Defizite offen ansprechen. „Das soll kein Monolog werden. Ich will, dass sich jeder Spieler selbstkritisch mit seiner Leistung auseinander setzt, aber ich werde keine Phrasen akzeptieren.“

Ein positives Signal war gestern die Rückkehr von Giuseppe Reina. Der Stürmer stieg nach monatelanger Verletzungspause (Kreuzbandriss) wieder ins Mannschaftstraining ein und absolvierte die gut 60-minütige Einheit beschwerdefrei. Auf dem Rasen wird Herthas Trainer nun die Schwerpunkte verschieben. Im Vordergrund sollen Spielformen stehen, denn „eines unserer Probleme ist das Spiel ohne Ball. Wir müssen mehr laufen, mit mehr Bereitschaft spielen.“ Das seien die Voraussetzungen für offensives und aggressives Handeln auf dem Platz. Und das sind genau die Punkte, die auch der Bundestrainer seinen Spielern nach seinem Amtsantritt als „Team-Messages“ vermittelt hat. Bei Klinsmann heißt das: viel Bewegung ohne Ball, schnelles Passspiel und die Bereitschaft, über 90 Minuten eine sehr hohe Frequenz zu gehen.

„Wir müssen ständig aktiv bleiben auf dem Platz“, sagt Götz meint auch sich selbst. Herthas Trainer wurde nach dem Spiel gegen Mainz für seine defensive Aufstellung kritisiert, was die Mannschaft als falsches Signal verstanden haben könnte. „Ich mache mir auch Gedanken, wie ich dazu beitragen kann, ein Spiel zu gewinnen“, sagt Götz. Vielleicht kennt ja der Bundestrainer ein Rezept.

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