Offensivproblem bei Hertha BSC : Flaute auf den Flügeln

Bei Hertha BSC geht vor allem von den Außenpositionen kaum Gefahr aus. Trainer Luhukay reagiert, streicht für das Spiel am Freitagabend beim FC Schalke Peter Pekarik und Johannes van den Bergh aus dem Kader und holt den lange verletzten Alexander Baumjohann zurück.

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Wieder am Ball: Alexander Baumjohann (links).
Wieder am Ball: Alexander Baumjohann (links).Foto: Imago

Das Spiel von Hertha BSC hat zuletzt einige gravierende Mängel aufgewiesen. Eines der auffälligsten Defizite war die fehlende Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Aber genau die war den Berlinern am Dienstag gegen den neuen Deutschen Meister ausnahmsweise einmal nicht vorzuwerfen. Hertha erspielte sich gegen Bayern München in 90 Minuten keine einzige Chance – und schoss trotzdem ein Tor. Das muss man (selbst mit einem Elfmeter) erst einmal hinbekommen. In den vergangenen Wochen war die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay bei deutlich günstigeren Voraussetzungen jedenfalls deutlich weniger erfolgreich.

Hertha hat die jüngsten drei Spiele verloren, dabei drei Mal drei Gegentore kassiert und sich damit seine herausragende Defensivbilanz zerschossen. Die wahre Problemzone ist aber nicht die Abwehr – es ist zunehmend die Offensive. In den zehn Rückrundenspielen haben es die Berliner auf ganze neun Tore gebracht, vier Mal gingen sie komplett leer aus. Kein anderer Bundesligist hat seit der Winterpause weniger Treffer erzielt.

„Wir haben offensiv gesehen ein Problem, das ist deutlich“, sagt Luhukay. „Und das nicht erst seit gestern oder vorgestern.“ Herthas Trainer hat zuletzt häufiger auf die gefährliche Abhängigkeit seiner Mannschaft von Adrian Ramos hingewiesen. Der Stürmer aus Kolumbien war an fast zwei Drittel von Herthas Saisontoren (23 von 36) als Schütze oder Vorbereiter beteiligt. Er hat auch die beiden einzigen Tore in den vergangenen fünf Spielen erzielt, in denen Hertha sieglos geblieben ist.

Offensive Außenpositionen - keine Ideallösung gefunden

„Trifft Adrian nicht, kriegen wir ein Problem“, sagt Luhukay. In seinem Kader gibt es sonst niemanden, der sich als verlässlicher Torschütze hervorgetan hat. Umso wichtiger, dass sich der Stürmer für das Spiel am Freitag bei Schalke 04 (20.30 Uhr) nach Oberschenkelproblemen fit gemeldet hat. Doch das Problem liegt nicht nur im Sturm selbst; es liegt auch in der Etappe. Hertha generiert zu wenig Torgefahr aus dem Mittelfeld im Allgemeinen und über die Flügel im Besonderen.

Bei der Besetzung der offensiven Außenpositionen hat Luhukay keine Ideallösung gefunden. Vor einer Woche, gegen Gladbach, spielten dort Änis Ben-Hatira und Sami Allagui – drei Tage später schafften es beide nicht einmal in den Kader für das Spiel gegen die Bayern. Für das Spiel gegen Schalke berief Luhukay sie wieder ins Aufgebot, dafür strich er Peter Pekarik und Johannes van den Bergh. Das passte zu seiner bisherigen Personalpolitik, die für die Außenpositionen ein wenig erratisch wirkt. Seit dem 19. Spieltag hat Hertha nicht mehr zwei Mal hintereinander mit demselben Duo auf den Flügeln begonnen. In zehn Rückrundenspielen bot Luhukay acht verschiedene Kombinationen auf. Allein Per Skjelbred/Nico Schulz (gegen Hannover und Bayern) und Sami Allagui/Nico Schulz (Frankfurt, Nürnberg) kamen je zwei Mal zum Einsatz.

Im Grunde ist egal, wer auf den Außenbahnen spielt – viel kommt eh nicht dabei herum

Im Grunde ist es ja auch egal, wer auf den Außenbahnen spielt – viel kommt eh nicht dabei herum. Bester Vorbereiter unter den Flügelspielern ist mit sechs Assists Per Skjelbred. Es folgen Allagui (drei), Ben-Hatira (zwei) und Schulz (eins). Marcel Ndjeng hat in 17 Einsätzen bisher weder ein Tor erzielt noch vorbereitet. Und auch aus der zweiten Reihe kommt zu wenig. Rechtsverteidiger Pekarik verzeichnet drei Assists; Linksverteidiger van den Bergh hat einen Treffer vorbereitet – als er gegen den HSV im Mittelfeld auflief. Dafür stehen zumindest Tolga Cigerci und Alexander Baumjohann – erstmals seit seinem Kreuzbandriss – wieder im Kader.

„Wir müssen eine höhere Durchschlagskraft entwickeln, in der Vorbereitung genauer werden“, sagt Luhukay. „Da haben wir in der Rückrunde nachgelassen.“ Gerade in der Offensive vermisst er Spieler, die wie Ramos den Unterschied ausmachen und für den Gegner eine stete Gefahr darstellen. „In der Hinrunde hatten wir die“, sagt Luhukay. „Dadurch waren wir unberechenbarer.“ Seit dem Winter hängt alles an Ramos. „Da ist kein Zweiter, kein Dritter, kein Vierter“, klagt der Holländer. Allagui, Herthas zweitbester Torschütze, kommt bisher auf sieben Saisontore – sechs hat er in der Hinrunde erzielt.

Für die neue Spielzeit hat Luhukay bereits angekündigt, dass sich Hertha in der Offensive breiter aufstellen werde. Bis es so weit ist, muss er vor allem das Prinzip Hoffnung bemühen. „Diese Mannschaft hat gezeigt, dass sie es kann“, sagt Luhukay. „Jedes Spiel ist eine Möglichkeit, es wieder abzurufen.“

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