Ofsayt – die Fußball-Kolumne aus der Türkei : Showdown am Löwenhügel

Bei Galatasaray Istanbul herrscht keine gute Stimmung, das hat nicht nur sportliche Gründe. Warum Coach Roberto Mancini womöglich am Sonntag entlassen wird, lesen Sie in der wöchentlichen Kolumne unseres Türkei-Korrespondenten.

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Woran liegt es nur? Galatasarays Coach Roberto Mancini ist nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft.
Woran liegt es nur? Galatasarays Coach Roberto Mancini ist nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft.Foto: Imago

Fenerbahce Istanbul steht kurz vor dem 19. Meistertitel der Türkei. Nach einem 3-0-Heimsieg über den Club aus dem nordwesttürkischen Bursa, der sich erst letzte Woche von seinem Trainer Christoph Daum getrennt hatte, geht der Traditionsverein mit zehn Punkten Vorsprung in das vorentscheidende Derby gegen den Lokalrivalen Galatasaray am kommenden Sonntag. Zu den zehn Punkten kommen für Fenerbahce vielleicht bald noch weitere hinzu: Eine kürzliche Auswärtsbegegnung der Mannschaft gegen Trabzonspor vom Schwarzen Meer wurde wegen Ausschreitungen der Fans abgebrochen. Sollten die Istanbuler wie erwartet drei Punkte für das Spiel zugesprochen bekommen, lägen sie sieben Spieltage vor Saisonende mit 13 Zählern vor dem Zweitplatzierten Galatasaray. Gewinnen die Spieler von Fenerbahce, wegen ihrer blau-gelben Trikots die „Kanarienvögel“ genannt, dann auch noch das kommende Spitzenspiel gegen die „Löwen“ von Galatasaray, wäre das Rennen um die Meisterschaft wohl gelaufen.

Vor der Begegnung in der Telekom-Arena, dem Galatasaray-Stadion am Istanbuler „Löwnhügel“, hat Fenerbahce nicht nur wegen des großen Vorsprungs in der Tabelle die bessere Ausgangslage. Auch die Psychologie spricht für die „Kanarienvögel“. Denn die „Löwen“ sind schlapp. Galatasaray war mit großen Ambitionen in die Saison gestartet, hatte aber in jüngster Zeit viele Rückschläge hinnehmen müssen, nicht nur das Ausscheiden aus der Champions League gegen Chelsea. Am vergangenen Wochenende musste sich Galatasaray mit einem 0:0 im zentralanatolischen Konya begnügen. Eine Pokalbegegnung gegen Bursa endete vergangene Woche mit einem für Galatasaray enttäuschenden 2-2. Selbst eine Heimniederlage gegen den Tabellenletzten aus Kayseri musste der amtierende Meister kürzlich einstecken, das erste Ergebnis dieser Art seit 40 Jahren.

Fußballkommentatoren beobachten seit Wochen, dass die Mannschaftsleistung bei Galatasaray immer mehr nachlässt. Einige Spieler verweigerten inzwischen das Zusammenspiel untereinander, Torerfolge würden neuerdings alleine gefeiert, nicht in der sonst üblichen Spielertraube, notierte die Zeitung „Sabah“. Das Blatt registrierte ein „täglich wachsendes Maß an Chaos und Spannungen“ bei dem erfolgsverwöhnten Verein.

Ein weiterer Faktor für die Ladehemmung der „Löwen“ ist das Formtief von Nationalstürmer Burak Yilmaz, der in den letzten sechs Begegnungen nur ein einziges Mal traf. Dabei sei Yilmaz in den beiden vorangegangenen Spielzeiten noch Torschützenkönig gewesen, wunderte sich die Zeitung „Milliyet“.  

Trainer Roberto Mancini weiß nicht, woran es liegt. Er warf seinen Spielern vor, es den Gegnern bei Torgelegenheiten zu einfach zu machen, nahm die Durstrecke aber dennoch voll und ganz auf seine Kappe. Einige Fans fordern den Rücktritt des Italieners, und die Zeitungen melden, Mancini werde möglicherweise nach dem Derby am Sonntag das Feld räumen. Was dann aus dem Rest der Saison und den ehrgeizigen Zielen der „Löwen“ werden soll, die laut Vereinspräsident Ünal Aysal bis zum Jahr 2016 zu den zehn besten Mannschaften Europas gehören wollen, weiß niemand.

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