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Ofsayt - Die Fußballkolumne aus der Türkei : Bringt der Fußball Zypern wieder zusammen?

Seit Jahrzehnten ist Zypern in einen türkischen und einen griechischen Sektor geteilt. Nun könnte der Sport den Anstoß zu einer Lösung geben: Die beiden Fußballverbände der Insel haben die Wiedervereinigung beschlossen.

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Foto: AFP

Kleine Insel – große Probleme: Seit Jahrzehnten ist Zypern geteilt, Griechen und Türken auf der Insel werden nach blutigen Auseinandersetzungen in den 1960er und 1970er Jahren nicht nur durch eine Grenze, sondern auch durch großes Misstrauen getrennt. Das Zypern-Problem bildet zudem eine große Hürde bei der EU-Bewerbung der Türkei. Alle Versuche der internationalen Diplomatie, die Teilung der Insel zu überwinden, sind bisher gescheitert. Jetzt könnte sich der Fußball als Vorreiter einer Lösung erweisen.

Die Fußball-Verbände Zyperns wollen sich wiedervereinigen und damit erreichen, was die Politik bislang nicht geschafft hat. Die Verbände der zyprischen Griechen und zyprischen Türken trafen sich am Dienstag in Zürich und unterschrieben ein Abkommen über eine Übergangslösung, die den Fußball auf der Insel im östlichen Mittelmeer und die politische Großwetterlage rund um den Zypern-Konflikt entscheidend verändern könnte. Fifa-Chef Sepp Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini setzten sich mit den Vorsitzenden der bisher strikt getrennten griechischen und türkischen Fußballverbände auf Zypern zusammen, Kostakis Koutsokoumnis und Hasan Sertoglu.

„Es ist ein historischer Tag für den zyprischen Fußball“, erklärte Koutsokoumnis, der Präsident des international anerkannten zyprischen Verbandes (CFA). Die Vorstände der beiden Fußball-Verbände müssen die Vereinbarungen aber noch billigen. Details wurden zunächst nicht bekannt.

„Nach 60 Jahren der Trennung ist es jetzt möglich, dass wir unseren Fußball wiedervereinigen“, sagte Koutsokoumnis weiter. Die Vereinbarung sei ein Beispiel dafür, wie der Fußball Brücken bauen und Menschen nach Konflikten zusammenführen könne, sagte Blatter.

Der türkisch-zyprische Verband soll Mitglied im von der Fifa und Uefa anerkannten griechisch-zyprischen Verband werden. Nach der Aufnahme werden die Strukturen des türkisch-zyprischen Fußballs auch international anerkannt. Die Details des Abkommens soll ein Ausschuss klären. Unklar ist unter anderem noch, ob eine gemeinsame Nationalmannschaft antreten und eine gemeinsame Meisterschaft organisiert wird.

Die bahnbrechende Vereinbarung war in den vergangenen Monaten vorbereitet worden. Bisher unterlagen die türkischen Fußballer Zyperns wie der Rest des türkischen Inselteils einem internationalen Embargo. Der türkisch-zyprische Verband wird von der Europäischen Fußball-Union Uefa offiziell nicht anerkannt. Seit 1955 nehmen die türkisch-zyprischen Teams nicht mehr an der Inselmeisterschaft teil und sind auch international in der Isolation. Bislang gewann nur ein einziges Mal eine türkisch-zyprische Mannschaft die zyprische Meisterschaft - die Çetinkaya Türk S.K. 1951. Auf der Weltbühne anerkannt waren nur die griechische Inselrepublik und damit auch nur die vom griechischen Fußballverband unterstützten Vereine.

Wie in der Politik scheiterten auch im Fußball bisher alle Bemühungen um ein Ende der Trennung. Vor einigen Jahren hatte ein türkisch-zyprischer Verein darüber nachgedacht, sich der griechisch-zyprischen Liga anzuschließen, doch daraus wurde nichts.

Die Folgen der Teilung reichen über Zypern hinaus. Wenn Vereine aus der türkischen Liga in europäischen Wettbewerben in einer Gruppe mit griechisch-zyprischen Klubs landen, dann reisen sie gewöhnlich über einen Umweg von der Türkei aus nach Zypern, weil es keine direkten Flugverbindungen zwischen der Türkei und dem griechischen Teil Zyperns gibt. Kürzlich sorgte der türkische Erstligist Trabzonspor für Schlagzeilen, weil die Mannschaft ohne Umwege direkt nach Larnaka flog.

Die innerzyprische Annäherung auf dem Fußballplatz fällt in eine Zeit, in der auch in der Politik wieder intensiver über eine Vereinigung der Insel nachgedacht wird. Laut Presseberichten erwartet die türkische Regierung in Ankara in Kürze den Besuch eines hochrangigen Vertreters der Zypern-Griechen zu Gesprächen in der türkischen Hauptstadt. Bei dem Treffen soll es um Wege gehen, die Blockade des türkischen EU-Beitrittswunsches durch das Zypern-Problem aufzuheben. Vielleicht gibt der Fußball der Politik einen Anstoß.

 

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