• "Ofsayt" - Die Fußballkolumne aus der Türkei: Der Höhenflug der schwarzen Adler

"Ofsayt" - Die Fußballkolumne aus der Türkei : Der Höhenflug der schwarzen Adler

Torreichster Saisonstart seit 14 Jahren, vier Siege in vier Spielen, Tabellenführung mit drei Punkten Vorsprung: Besiktas Istanbul dominiert in der neuen türkischen Spielzeit. Als Vater des Erfolgs gilt ein alter Bekannter aus der Bundesliga.

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Trainer Slaven Bilic.
Trainer Slaven Bilic.Foto: AFP

Als einzige Mannschaft der obersten türkischen Spielklasse hat Besiktas noch keinen Punkt abgeben müssen. Dabei hat der Verein wegen eines laufenden Neubaus derzeit nicht einmal ein eigenes Stadion und muss bei Heimspielen auf das - in froher, aber bisher vergeblicher Hoffnung errichtete - Olympia-Stadion vor den Toren Istanbuls ausweichen. Als Vater des Erfolgs gilt der neue Trainer des Klubs, der Kroate Slaven Bilic, der in den 1990er Jahren beim Karlsruher SC spielte.

Die „schwarzen Adler“, wie die Besiktas-Spieler genannt werden, seien derzeit nicht aufzuhalten, schrieb der Kommentator Okay Karacan in der Zeitung „Zaman“. Seit zehn Jahren habe er keine so gute Besiktas-Equipe mehr gesehen. Trainer Bilic ist offenbar derselben Ansicht. Nach dem 3:0-Auswärtssieg gegen den von Christoph Daum trainierten Klub Bursaspor am vergangenen Wochenende sagte er, er verneige sich vor seiner Mannschaft, die fehlerlos gespielt habe.

Vorige Woche machte Bilic mit der Bemerkung auf sich aufmerksam, er wolle eine „sozialistische Mannschaft“ formen: Bei ihm seien alle Spieler gleich – „wir spielen als Team“. Das sind an sich keine großen fußballerischen Erkenntnisse. Doch in Zeiten von millionenschweren Spielertransfers und reich fließenden Einnahmen für die Klubs durch den Verkauf von Trikots mit den Namen großer Stars hatte Bilic offenbar das Gefühl, eine Lanze für den guten alten Mannschaftsgeist brechen zu müssen.

Fenerbahce nur für Frauen
Stimmung im Stadion bei Fenerbahce Istanbul: Nur Frauen und Kinder waren beim Heimspiel gegen Manisaspor als Zuschauer erlaubt.Alle Bilder anzeigen
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22.09.2011 13:55Stimmung im Stadion bei Fenerbahce Istanbul: Nur Frauen und Kinder waren beim Heimspiel gegen Manisaspor als Zuschauer erlaubt.

Von der Enttäuschung über die kürzliche Uefa-Entscheidung, Besiktas wegen Manipulationen in der Spielzeit 2010/2011 für eine Saison von europäischen Fußballwettbewerben auszuschließen, ist beim Team von Bilic jedenfalls nichts zu spüren. In Bursa zeigten sich Beobachter beeindruckt von der Fähigkeit der „Sozialisten“, dem Gegner 90 Minuten lang die Räume eng zu machen und unter Druck zu setzen. Der Tscheche Tomas Sivok spielte mit einem selbst erzielten Tor und der Vorbereitung eines weiteren Treffers eine große Rolle.

Nun naht für die sozialistischen Adler die erste ganz große Prüfung. Am kommenden Wochenende empfängt Besiktas im Olympia-Stadion den amtierenden Meister Galatasaray. Der Titelträger haben bisher zwar nur ein Spiel gewonnen, bieten aber die größten Stars der Liga auf: Didier Drogbar, Wesley Sneijder und Torjäger Burak Yilmaz.

Besiktas dürfte frischer in das Derby gehen. Heute Abend empfängt Galatasaray den Giganten Real Madrid in der Champions League. „Sozialist“ Bilic wird beim Gastspiel des reichsten Vereins der Welt in Istanbul die Gelegenheit haben, Stärken und Schwächen der Liga-Konkurrenz genau zu studieren.

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