"Ofsayt" - Die Fußballkolumne aus der Türkei : Wer in Istanbul spielt, muss feiern können

Manuel Fernandes von Besiktas ist berüchtigt für seine nächtlichen Ausflüge, Fenerbahce macht gern Party in geschlossener Mannschaftsstärke. Besiktas' Trainer Bilic findet daran nichts Schlimmes - Istanbul sei eben verlockend.

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Manuel Fernandes (links).
Manuel Fernandes (links).Foto: AFP

Manuel Fernandes ist ein Star – nicht nur auf dem Rasen als Mittelfeldspieler des Istanbuler Erstligisten Besiktas, sondern auch als Stammgast in den Nachtclubs der türkischen Metropole am Bosporus. In letzter Zeit sorgte der Portugiese mehr mit seinen nächtlichen Eskapaden für Schlagzeilen als mit seinen Leistungen am Ball. Besiktas-Trainer Slaven Bilic bleibt dennoch gelassen. Istanbul sei eben eine Stadt voller Möglichkeiten für junge Männer, die mal einen draufmachen wollen, sagt der Kroate. Natürlich stecke darin auch eine Gefahr für die Spieler. „Aber ich bin nicht ihr Papa.“

Nicht erst seit seinem Transfer von Everton zu Besiktas vor zwei Jahren ist Fernandes als tüchtiger Kneipenbesucher bekannt. Im Januar 2008 kam der damals bei Valencia spielende Sportler nach einer Schlägerei in einem Nachtclub in der spanischen Stadt vorübergehend in Polizeigewahrsam. Anlass für das Handgemenge war der Vorwurf, Fernandes und ein Mannschaftskollege hätten in dem Club eine Armbanduhr gestohlen, was die Spieler bestritten. Fernandes kam nach wenigen Stunden wieder frei.

In Istanbul macht Fernandes ebenfalls als Nachteule von sich reden. Er taucht, manchmal in Begleitung unbekannter Damen, in teuren Clubs auf und feiert bis in die frühen Morgenstunden. Laut Presseberichten soll sich Fernandes zudem mit ausschweifenden Partys in seiner Wohnung einen Namen gemacht haben. Hin und wieder würden diese Feiern, zu denen Fernandes seine Besiktas-Kolegen einlade, zu vorgerückter Stunde an die Bar des nächstgelegenen Hotels verlagert, hieß es in den Meldungen. Mehrfach soll Fernandes zudem wie damals in Valencia nach Handgreiflichkeiten aus Nachtclubs geworfen worden sein. 

Wenn es einmal wieder sehr spät – oder besser: früh – geworden sei, melde sich Fernandes beim Training krank, meldeten die türkischen Zeitungen. Besiktas-Sportdirektor Önder Özen soll den Portugiesen wegen seines Verhaltens verwarnt haben. Dennoch will Besiktas offenbar den Vertrag mit dem Mittelfeldspieler verlängern. 

Trainer Bilic sagte dem vereinseigenen Sender Besiktas-TV, ihm sei das Privatleben seiner Spieler zwar nicht egal. Er verstehe sich aber nicht als Übervater. Schon vor seinem Wechsel zu Besiktas im vergangenen Jahr habe er einiges über das Nachtleben von Fernandes gehört. „Und wie ich seit meiner Ankunft feststellen konnte, geht das ja auch munter weiter.“ Dennoch sei er bisher überzeugt, das Fernandes als Führungsspieler auf dem Platz alles gebe. „Wenn etwas aus dem Ruder läuft, dann werde ich schon einschreiten.“ Bislang sieht der Kroate diese Schwelle bei Fernandes offenbar noch nicht erreicht.

 Ohnehin ist der Portugiese nicht der einzige Nachtschwärmer der „Süper-Lig“. Gefeiert wird immer, nicht  nur nach wichtigen Spielen. Nach einem kürzlichen Heimspielsieg gegen eine abstiegsbedrohte Provinzmannschaft tauchte fast die halbe Mannschaft des Traditionsclubs Fenerbahce Istanbul in einem feinen Nachtclub am Bosporus auf und vergnügte sich bis zum frühen Morgen. Trotz (oder gerade wegen?) der Gruppen-Gaudi führt Fenerbahce die Tabelle an, während Besiktas nach gutem Saisonstart derzeit mit acht Punkten Rückstand auf den Erstplazierten nur Vierter ist. Vielleicht braucht der Verein mehr Partys, nicht weniger.

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