Ofsayt - die Fußballkolumne aus der Türkei : Wunder oder Rauswurf

Galatasaray Istanbul hofft im Achtelfinale der Champions League im Rückspiel beim FC Chelsea auf ein Wunder. Doch die Statistik spricht gegen die Türken. Trainer Roberto Mancini könnte ein Ausscheiden den Job kosten.

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Der türkische Meister Galatasaray Istanbul hofft beim Rückspiel gegen Chelsea in der Champions League heute abend auf ein Wunder – und auf die zweite Halbzeit. Türkische Fußballexperten wollen einen dramatischen Leistungsabfall des britischen Teams etwa ab der 70. Minute festgestellt haben.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit beim Spiel an der Stamford Bridge steht erneut Didier Drogba, der ehemalige Chelsea-Star, der mit Galatasaray an die Stätte früherer Erfolge zurückkehrt. Falls ihm ein Treffer gegen seine ehemalige Mannschaft gelingen sollte, werde er aus Rücksicht auf seinen früheren Club auf jede Jubel-Geste verzichten, kündigte Drogba an. Dennoch werde er sich sehr über einen Sieg über Chelsea freuen.

Doch das wird nicht einfach werden. Galatasaray-Präsident Übal Aysal räumte am Tag vor dem Spiel ein, seine Mannschaft sei nach dem 1:1 im Heimspiel in Istanbul klar im Hintertreffen. Er selbst wünsche sich einen 2:1-Sieg in London. Aysal bekräftigte das ehrgeizige Ziel der Vereinsführung: Bis zum Jahr 2016 soll Galatasaray zu den zehn besten Mannschaften Europas gehören. Schon jetzt sei Galatasaray eine anerkannte Marke. Zugleich dementierte Aysal Gerüchte, wonach er Trainer Roberto Mancini entlassen werde, falls das Wunder gegen Chelsea ausbleiben sollte.

Wie die Türken dieses Wunder vollbringen können, will die Zeitung „Milliyet“ ermittelt haben. Chelsea spiele zwar einen wunderbaren Fußball – aber nur bis zur 70. Minute, analysierte das Blatt. „In den letzten 20 Minuten fällt das Team mental and körperlich ab, da können Fehler passieren.“ Und genau das sei die Chance für Galatasaray. Auch der Kommentator Güntekin Onay von der Zeitung „Vatan“ schrieb, Galatasaray müsse die Leistung aus der zweiten Hälfte des Hinspiels von Istanbul wiederholen, um in London eine Chance zu haben.

Die Statistik spricht allerdings nicht gerade für die Istanbuler. In 18 Begegnungen gegen englische Teams in europäischen Wettbewerben hat Galatasaray bisher nur ganze drei Spiele gewinnen können; sieben gingen verloren, acht endeten mit einem Unentschieden. Fast 30 Tore kassierten die türkischen Profis in diesen Treffen.

Damit an der Stamford Bridge nicht noch ein weiteres Gegentor dazukommt, müsse Galatasaray äußerst konzentriert zu Werke gehen und das Tempo nicht übertreiben, warnte Kommentator Onay. Die Herausforderung bestehe darin, trotzdem irgendwie Druck nach vorne aufzubauen: „Wir brauchen ein Tor.“ Doch sollte im Gegenteil ein früher Treffer für Chelsea fallen, wären alle türkischen Kalkulationen Makulatur.

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