Sport : Ohne Dach im Dauerregen

Bei den US Open wird wegen des schlechten Wetters kaum gespielt und die Kritik an den Organisatoren immer lauter

Matthias B. Krause

New York. Der Platz in der Players Lounge im National Tennis Center war so knapp wie in der Grand Central Station zur Stoßzeit. Nur dass hier niemand hektisch durch die Gegend lief, sondern ein Haufen junger Leute in Sportbekleidung versucht, die Zeit totzuschlagen. Der Schweizer Wimbledon-Sieger Roger Federer spielte mit seinem Coach Runde um Runde virtuelles Golf, der Kroate Ivan Ljubicic kämpfte mit Schachfiguren, und der Schwede Jonas Björkman fütterte seinen acht Monate alten Sohn Max. Hin und wieder brach eine Gruppe auf, um beim Oberschiedsrichter Brain Earley nach dem neuesten Stand der Dinge zu fragen. Doch die Nachrichten waren unverändert schlecht: Regen, Regen, Regen. Lediglich drei Spiele sind in den vergangenen zwei Tagen bei den US Open über die Bühne gegangen.

Am Dienstag zog nur Andre Agassi durch einen Sieg gegen Taylor Dent, der aufgegeben hatte, in die vierte Runde ein. Das Wetter hat den Turnierplan längst zur Makulatur werden lassen. Selbst am Mittwoch war fraglich, ob das am Dienstag verschobene Achtelfinale von Rainer Schüttler gegen den Niederländer Sjeng Schalken stattfinden konnte. Geplant war es für 18 Uhr Ortszeit (00.00 Uhr MESZ). Weil der Wetterbericht erst am Freitag Änderung verspricht, ist es möglich, dass die Veranstaltung erstmals seit 1987 wieder um einen Tag verlängert werden muss, das Männer-Finale erst am Montag stattfindet.

Als ebenso nervenaufreibend wie den Dauerregen empfinden die Spieler die chaotische Organisation. „Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bei so einem schlecht geplanten Turnier gespielt zu haben“, sagte Martina Navratilova. Und die hat während ihrer nun bereits 28 Jahre währenden Profi-Karriere wahrlich viel erlebt. „Hier würfeln sie alles nach Belieben durcheinander.“ Da passierte es etwa, dass sich Federer in einer der temporären Regenpausen draußen ahnungslos für sein Match gegen den Argentinier David Nalbandian warm spielte, während drinnen die Journalisten bereits informiert wurden, die Partie sei auf den nächsten Tag verlegt. Zwischenzeitlich erwogen die Veranstalter sogar, einige Spiele mitten in der Nacht auszutragen. Und der offensichtlich überforderte Oberschiedsrichter Brian Earley machte mit weiteren skurrilen Ideen von sich reden. Er könne sich vorstellen, dass die Männer, die über drei Gewinnsätze spielen, am Morgen eine Nachholpartie beenden und dann am Abend das nächste Match bestreiten. Todd Martin, Chef der ATP-Spielergewerkschaft, erteilte solchen Gedankenspielen jedoch eine klare Absage: „Ein Golfturnier endet schließlich auch nicht nach 72 Schlägen.“

Derweil wird der Druck auf die Organisatoren immer größer. Die TV-Anstalten können ihre stundenlangen Sondersendungen nur mit Konserven füllen, die Zuschauer-Quoten sind bereits in den Keller gerutscht. Der ehemalige Tennisstar John McEnroe kommentierte zynisch: „Wir bauen für 250 Millionen Dollar das größte Tennis-Stadion der Welt, und dann sitzen wir hier und drehen Däumchen. Das ist doch lächerlich.“

Mittlerweile hat der US-Tennisverband Architekten beauftragt, die prüfen sollen, wie sich der Platz im Arthur-Ashe-Stadion am besten vor Regen schützen lässt. Dabei würden auch schon kleine Dinge wie Abdeckplanen und Großflächentrockner helfen, damit Spiele nach dem Ende des Regens schneller beginnen können. „Solche Sachen gibt es bei anderen Veranstaltungen seit den Achtzigerjahren“, sagt Martina Navratilova. „Montag haben sie für zwei Stunden Spielzeit sechs Stunden zum Trocknen gebraucht. Wann werden sie es hier endlich lernen?“

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