Sport : Ohne Durchblick keine WM-Punkte

Der deutsche Motorradsport ist in eine tiefe Krise gefahren. Während beim Finale der Weltmeisterschafts-Saison die neuen Titelträger Manuel Poggiali (San Marino/Gilera/125 ccm), Daijiro Katoh (Japan/Honda/250 ccm) und Valentino Rossi (Italien/Honda/500 ccm) umjubelt und gefeiert wurden, waren die deutschen Piloten einmal mehr nur Statisten. Nach 1998 vermochte es erneut kein Fahrer, sich unter den zehn Besten der Welt zu platzieren. Was jedoch noch schlimmer wiegt als damals: Es sieht auch für das nächste Rennjahr nicht viel besser aus, da nicht nur Talente, sondern auch die finanziellen Grundlagen fehlen.

"Das Ergebnis der letzten vier Rennen ist eine Katastrophe", urteilte Steve Jenkner aus Hohenstein-Ernstthal über seine eigene Leistung und verallgemeinerte damit auch das Abschneiden seiner Landsleute. Der Sachse erreichte in der Achtelliterklasse zuletzt in vier Rennen keinen Punkt, nachdem er mit zwei dritten Rängen in Assen und Brünn für Aufsehen und die einzigen Lichtblicke gesorgt hatte. Die Ausfälle waren ausschlaggebend dafür, dass er den sicher geglaubten neunten Platz verlor und am Ende nur 11. in der WM wurde. Den 17. Rang von Rio begründete er mit einem beschlagenen Visier, das einen Blindflug zur Folge hatte. In Rage warf er den Helm in der Box in die Ecke und fluchte, wie man es vom kleinen Mann vom Sachsenring bisher nicht kannte. Einen versöhnlichen Jahresabschluss hatte Jarno Müller (Limbach-Oberfrohna), der als einziger Deutscher in Rio mit Platz 12 WM- Punkte sammelte und damit seine Debüt-Saison als 25. beendete.

Jenkner und Müller werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch im kommenden Jahr um WM-Zähler fahren. Sowohl Jenkners deutsch-italienisches UGT-LAE-3000-Team als auch der ADAC Sachsen als Arbeitgeber Müllers signalisierten die Fortsetzung der Zusammenarbeit. Möglicherweise erhält auch der vor den letzten fünf Rennen wegen Erfolglosigkeit beim Team Aprilia Germany in der 250-ccm-Klasse entlassene Klaus Nöhles (Nettetal) im Müller-Team eine neue Heimat, womit aber sein Umstieg in die Achtelliterklasse verbunden wäre.

Völlig unsicher ist die Zukunft von Alexander Hofmann (Bochum), der in der 250 ccm-Kategorie am Ende als Privatier guter Zwölfter wurde. Doch sein Team Racing Factory hat ebenso wie Aprilia Germany große finanzielle Probleme. Sogar ein Konkurs wird nicht mehr ausgeschlossen. Im Gegensatz zu ihm kann Katja Poensgen (Heppenheim) ruhig in die Zukunft blicken. Sie unterschrieb einen neuen Vertrag beim britischen Rennstall Shell Advance.

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