Sport : Ohne eine Miene

Kimi Räikkönens Vertrag läuft aus. Geht der Finne 2014 zum Vettel-Team?

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Pokerface. Kimi Räikkönen braucht eigentlich keine Sonnenbrille, um geheimnisvoll zu wirken. Foto: AFP
Pokerface. Kimi Räikkönen braucht eigentlich keine Sonnenbrille, um geheimnisvoll zu wirken. Foto: AFPFoto: dpa

Kimi Räikkönen zu imitieren ist schwerer, als man im ersten Moment denkt. Der Finne beschränkt die Signale an die Außenwelt auf ein Minimum, durch den eher sporadischen Gebrauch von Mimik ist sein Antlitz auch im Alter von 33 Jahren noch immer bemerkenswert faltenlos. Seine Worte sind leise und tonlos, meist klingt er wie eine Computerstimme im Stromsparmodus. Die offensivste Art der Kommunikation betreibt er mit seinem linken Unterarm, auf den er sich seinen Spitznamen „Iceman“ tätowieren lassen hat.

Sebastian Vettel hat mal bei einer Gala versucht, Räikkönen zu imitieren, aber nach ein paar Worten brach er ab. „Ich kann das nicht, ich fange an zu grinsen“, sagte der dreimalige Weltmeister. Vielleicht hat er bald häufiger Gelegenheit, Räikkönen zu studieren. Es ist gar nicht ausgeschlossen, dass die beiden im nächsten Jahr Teamkollegen in der Formel 1 sind.

Tatsächlich ist Räikkönen derzeit der interessanteste Gesprächspartner der Formel 1. Seit seiner Rückkehr in der letzten Saison nach einer Auszeit in der Rallye-WM hat der Weltmeister von 2007 im Lotus ein bemerkenswertes Comeback hingelegt. In der WM-Wertung ist er der schärfste Rivale von Vettel, vor dem Großen Preis von Monaco am Sonntag liegt er vier Punkte hinter dem Red-Bull-Piloten.

Noch interessanter macht ihn die Tatsache, dass sein Vertrag am Saisonende ausläuft. „Es gibt nicht viele Topfahrer, die keinen Vertag für 2014 haben. Ich glaube, ich bin der Einzige“, sagt Räikkönen, ohne dass sich seine Lippen bewegen. „Und es gibt einige Verträge, die nächstes Jahr auslaufen.“ Ein Cockpit könnte bei Red Bull freiwerden. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Vettels australischer Teamkollege Mark Webber nach dem Zerwürfnis im Rennstall zum Saisonende gehen wird. Red Bull sponserte bereits Räikkönens Rallye-Abstecher und weiß, wie man seinen spröden Charme öffentlichkeitswirksam einsetzen kann. „Kimi ist cool und schnell und immer ein Kandidat“, sagt Firmeneigner Dietrich Mateschitz.

Auch für Räikkönen würde ein Wechsel Sinn ergeben. 2014 wird es viele Regeländerungen geben, und ob das finanziell eher leichtgewichtige Lotus-Team noch einmal ein schnelles Auto bauen kann, ist längst nicht gesichert. Wenn der beste Wagen der letzten Jahre zu haben ist, kann auch Kimi Räikkönen sein Interesse nicht ganz verbergen. „Ich habe einige Optionen“, murmelt er.

Ob das Sebastian Vettel auch passen würde, ist die andere Frage. Die beiden sind so etwas wie Freunde, als Nachbarn in der Schweiz spielten sie in der Vergangenheit regelmäßig Badminton. „Vettel ist der netteste Typ von allen“, sagte Räikkönen einmal und Vettel erzählte: „Privat und unter Einfluss von gewissen Getränken redet er sogar.“ So eine Freundschaft ist in der Formel 1 ungewöhnlich, und sie kann zusammenbrechen, wenn beide im gleichen Team um die Macht ringen.

Noch ist Vettel bei Red Bull der uneingeschränkte Herrscher. Webber hat er klar im Griff, allerdings genügt der Australier als Vergleichsgröße nicht allerhöchsten Ansprüchen. Bisher sind die Zweifel an Vettels wirklicher Stärke deswegen nicht ganz verstummt. Räikkönens Schnelligkeit wird dagegen von niemandem angezweifelt. Der schnelle Schweiger aus Espoo gegen den redseligen Heppenheimer, das wäre eine der spannendsten Paarungen der jüngeren Geschichte.

Doch wer Spannung, Vorfreude oder überhaupt irgendwas in Räikkönens Gesicht lesen will, der wird nichts finden. „Ich habe es nicht eilig“, nuschelt er. „Die Entscheidung muss von mir kommen – und ich habe mich noch nicht entschieden.“ Ohne eine Miene zu verziehen wirft der derzeit gefragteste Mann der Formel 1 dann noch ein wenig Nihilismus in den Raum: „Es gibt ja sogar die Option, dass ich gar nicht fahre. Ich habe ja keinen Vertrag, ich habe nichts.“ Dazu zuckt er kaum merklich mit den Schultern und macht kein Gesicht. Kimi Räikkönen ist eben immer noch der beste Kimi-Räikkönen-Imitator.

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