Sport : Ohne Ende

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Frank Bachner über den scheinbar

aussichtslosen Kampf gegen Doping

Man kann das Ganze natürlich auch ein bisschen zynisch sehen. Dann ähnelt der Aufschrei über den Doping-Skandal in den USA der Aufregung über die Rentenkürzung. Niemand, der nicht bewusst weghören wollte, kann jetzt ernsthaft erstaunt sein: Dass das Rentenniveau in Gefahr ist, sagen Fachleute seit 15 Jahren; dass in den USA gedopt wird, ist genauso lange bekannt. Dass nun erstmals ein reiner Dopingstoff entwickelt wurde, ist die einzige echte Neuigkeit im THG-Skandal. Bislang wurden nur gängige Arzneimittel zweckentfremdet. Und natürlich wird es Doping weiter geben. THG – Achtung: noch eine Prise Zynismus – ist doch schon ein alter Hut. In Griechenland haben Sportbetrüger neue, nicht nachweisbare Stoffe entwickelt. Sie sind übers Internet zu beziehen, für ein paar Dollar. Eine lohnende Investition, wenn man mit Topleistungen bei Leichtathletik-Meetings bis zu 80 000 Dollar kassieren kann. Und hinter diesem Handel mit Dopingstoffen steckt eine millionenschwere Industrie, die am Betrug verdient und deshalb alles daran setzt, weitere, nicht nachweisbare Stoffe zu entwickeln.

Wann hat es denn jemals eine Zäsur im dauernden Hase-und-Igel-Spiel der Dopingsünder und Doping-Fahnder gegeben? Nach dem Ben-Johnson-Skandal 1988 flogen reihenweise andere Anabolika-Konsumenten auf, das DDR-Kinder-Doping schreckte höchstens die Medien auf, und auch nach dem Tour-de-France-Dopingdebakel von 1998 wurde fleißig weiter gespritzt. Beim Rentenproblem ist wenigstens noch eine Lösung in Sicht. Beim Doping nicht.

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