Ohne Essen ins Bett : FC Bayern will Titelgewinn nicht feiern

Das gab's noch nie: Schon zu Ostern können die Rekord-Bayern ihren 23. Meistertitel perfekt machen - wenn am Samstag alles glatt läuft. Doch egal, große „Jubel-Arien“ sind eh nicht geplant. Immerhin wartet am Dienstag Juventus Turin.

Nicht wie 2010. Dieses Jahr muss Philipp Lahm noch warten, ehe der Bayern-Kapitän die Schale bekommt.
Nicht wie 2010. Dieses Jahr muss Philipp Lahm noch warten, ehe der Bayern-Kapitän die Schale bekommt.Foto: dpa

Die Party-Drinks sollen beim FC Bayern im Keller bleiben. Selbst, wenn die Münchner mit der ersten deutschen Meisterschaft zu Ostern Bundesliga-Geschichte schreiben würden. „Wir werden auf keinen Fall feiern, es wird nicht einmal ein Essen geben“, betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Und Sportvorstand Matthias Sammer wies gleich schon mal auf das Viertelfinale der Champions League am Dienstag gegen Juventus Turin hin. „Wir müssen sofort mit der Regeneration beginnen, sowohl körperlich als auch geistig. Dann gehen wir nach Hause - und nichts weiter“, sagte er in der „Bild“.

Der Branchenprimus weiß seinen 23. Titel angesichts des Rekord-Vorsprungs auf die schwächelnden Verfolger eigentlich schon seit langem in der Tasche. Trainer Jupp Heynckes & Co. haben das einst bedeutungsvollste Saisonziel bereits vor der achtletzten Fußball-Bundesligapartie gegen den Hamburger SV (Samstag, 18.30 Uhr) als erfolgreich erledigt abgehakt: Die sportliche Überlegenheit ist einfach zu deutlich, als dass die Meisterschaft noch irgendjemanden überwältigen könnte.

So ist das HSV-Match auch nicht mehr als eine Durchgangsstation auf dem Weg zum Sehnsuchtsziel Champions-League-Finale, das nur 72 Stunden später im Viertelfinale gegen Juventus Turin auf dem Spiel steht. „Unabhängig von allem: Die sofortige Vorbereitung auf das Juve-Spiel, gemeinsam im Stadion essen, damit die Speicher aufgefüllt werden“, erklärte Sammer.

Die Ausgangslage ist einfach: Sollte Noch-Meister Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr) beim VfB Stuttgart nicht gewinnen, können die Münchner mit einem Sieg im Abendspiel (18.30 Uhr) schon nach dem 27. Spieltag alles klar machen. So früh wie kein Club je zuvor. Die bisherigen Bestmarken halten ebenfalls die Münchner - 1972/73 und 2002/03 waren sie aber erst nach 30 Partien rechnerisch Meister.

Erfolg, der Schale schmeckt: Vier ähnlich souveräne Meisterschaften der Münchner.
1968/69: DAS ERSTE MALNach den ersten drei guten, aber noch nicht meisterlichen Bundesligajahren übernimmt an Stelle des gemütlichen Jugoslawen Tschik Cajkowski dessen Landsmann Branko Zebec das Kommando. Das ist durchaus im militärischen Sinne zu verstehen. Zebec schleift die Bayern im Training an den Rand der Bewusstlosigkeit. Die dabei gewonnenen physischen Vorteile aber vereinigen sich mit der Münchner Spielkunst erstmals zur heute selbstverständlichen Dominanz. Zum Bundesligaauftakt gibt's ein 2:0 über Kaiserslautern, zu dem ein gewisser Otto Rehhagel ein Eigentor beisteuert. Fünf Siege in den ersten fünf Spielen legen die Basis für den Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft seit 1932. Vier Spieltage vor Schluss gönnen die Münchner sich sogar den Luxus einer bayerisch-fränkischen Solidaritätsaktion. Der 1. FC Nürnberg darf beim 2:0-Sieg beide Punkte am Valznerweiher behalten, was den Abstieg drei Wochen später allerdings auch nicht verhindert. Die Bayern setzen in der gesamten Saison nur 13 Spieler ein und spielen 13 Mal zu Null. Gerd Müller spielt noch nicht wie später in der Nationalmannschaft mit der Nummer 13, wird aber zum zweiten Mal Torschützenkönig. Für 30 Tore reichen ihm 26 Spiele. Die restlichen vier verpasst er in Folge einer Roten Karte nach einem Faustschlag gegen Bayerns heutigen Cheftrainer Jupp Heynckes, damals Stürmer in Diensten von Hannover 96. Die Meisterschale überreicht der Bundesfinanzminister, er hat ein traditionell besonderes Verhältnis zu den Bayern und heißt Franz-Josef Strauß. (Text von Sven Goldmann)Alle Bilder anzeigen
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29.03.2013 10:401968/69: DAS ERSTE MALNach den ersten drei guten, aber noch nicht meisterlichen Bundesligajahren übernimmt an Stelle des...

Vor dem Juve-Spiel wäre es allerdings ein „mentaler Vorteil“, wenn die Meisterschaft schon im Sack wäre, meinte Flügelflitzer Xherdan Shaqiri. Die anstehende Kraftaufgabe macht es den Chefs allerdings besonders einfach, Konzentration zu predigen. Die Hoffnung ist, dass der nach wie vor große Schmerz über die Finalpleite 2012 die Bayern in den K.o.-Spielen der Königsklasse diesmal besonders beflügelt. „Wir wollen die große Chance, die wir in der Champions League sehen, nicht durch Jubel-Arien gefährden“, beteuerte Rummenigge bereits vorzeitig.

Bei Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger und dessen Kollegen müssen die Bosse ob ihrer Feierverbots-Pläne wenig Überzeugungsarbeit leisten. „Wir müssen noch am Samstagabend den Schalter umlegen und uns auf Juventus Turin konzentrieren“, forderte Schweinsteiger am Donnerstag. „Wenn man die Chance hat, noch andere Titel zu holen, sollte man das Fußballspielen nicht einstellen. Wir wollen nach mehr greifen - das ist Bayern Münchens würdig“, sagte der Mittelfeldprofi.

Titel müssen her, das macht der Verein seit Monaten klar. Als es vor kurzem nach der überraschenden Heim-Niederlage gegen den FC Arsenal in der Champions League mal nicht lief wie gewünscht, stauchte Präsident Uli Hoeneß den ein oder anderen übermütigen Profi prompt zusammen. Ob die Meisterschaft am Samstag oder eine Woche später perfekt gemacht wird, dürfte dem Clubpatron dafür egal sein.

Für HSV-Coach Thorsten Fink gilt das nicht: Der Ex-Profi will in der alten Heimat möglichst nicht zum endgültigen Meistermacher der Über-Bayern werden. „Es wäre gar nicht gut, wenn die Bayern schon am Samstag feiern müssten, drei Tage vor so einem wichtigen Spiel. Da gibt es sicher passendere Zeitpunkte“, merkte er an.

In der Tat zählt in München mit der Rückkehr der Nationalspieler nach dem Kasachstan-Doppelpack an die Isar ganz besonders die Königsklasse. Ob der anstehende erste große Erfolg nach zuletzt zwei titellosen Spielzeiten nicht mehr Raum zum Feiern verdient habe, wurde Nationaltorwart Manuel Neuer dieser Tage gefragt. „Vielleicht können wir ja noch andere Sachen zusammen feiern“, meinte er vielsagend. Das Champions-League-Finale steigt übrigens am 25. Mai. (dpa)

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