Sport : Ohne Gegentor ins Viertelfinale DFB-Frauen besiegen Japan bei der WM 2:0

Frank Hollmann[Hangzhou]

Ohne Gegentor haben die deutschen Fußballerinnen das Viertelfinale bei der Fußballweltmeisterschaft in China erreicht. Nach dem 11:0-Auftaktsieg gegen Argentinien und dem torlosen Remis gegen England siegten sie dank Toren ihrer Routiniers Birgit Prinz und Renate Lingor im dritten Vorrundenspiel mit 2:0 gegen Japan. Entgegen dem ursprünglichen Turnierplan war das Spiel mit Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Gastgeber um einen Tag vorverlegt worden. Am 18. September 1931 begann die japanische Invasion in China. An diesem Jahrestag wäre es für die Chinesen unerträglich gewesen, die Nationalhymne des einstigen Kriegsgegners im eigenen Land zu hören.

Entsprechend einseitig waren die Sympathien der knapp 40 000 meist chinesischen Fans in Hangzhou verteilt. Ihr lautes „Jia you deguo dui“ – Vorwärts Deutschland – wirkte schnell. Nur in den Anfangsminuten hatte die Abwehr um die frühere Potsdamerin Ariane Hingst Probleme mit den quirligen Japanerinnen. Mit zunehmender Spielzeit aber beherrschten die Deutschen das Spiel immer mehr. Schon nach drei Minuten leitete das Sturmduo Prinz und Smisek zweimal nahezu identisch den Ball steil in den Strafraum. Doch zuerst zielte die für die gelbgesperrte Simone Laudehr ins Team gerückte Petra Wimbersky völlig frei direkt auf die japanische Torfrau. Nur Sekunden später jagte Kerstin Garefrekes den Ball aus ähnlicher Position übers Tor. Nach 21 Minuten aber durften die chinesischen Fans jubeln. Zunächst scheiterte noch Wimbersky an der überzeugenden japanischen Torfrau Miho Fukumoto. Deren Vorderleute aber übersahen bei Lingors anschließender Ecke ausgerechnet Birgit Prinz, die den Ball kaum bedrängt aus Nahdistanz über die Linie brachte. Mit ihrem 13. WM-Treffer führt sie nun allein die ewige WM-Torschützenliste an.

„Meine Mannschaft stand sehr kompakt gegen eine technisch versierte Mannschaft. Kompliment“, lobte anschließend Bundestrainerin Silvia Neid. Allein die Chancenverwertung blieb mangelhaft. Die eingewechselte Fatmire Bajramaj nach tollem Solo, Wimbersky nach präziser Smisek-Hereingabe und Prinz per Kopf vergaben allesamt völlig freistehend. Erst ein Elfmeter von Renate Lingor nach Foul an der eingewechselten Martina Müller die Entscheidung und damit den Gruppensieg. Im Viertelfinale allerdings – vermutlich gegen die bislang überzeugenden Teams aus den USA oder Nordkorea – könnte eine derartig dürftige Chancenverwertung das allzu frühe Aus für den Titelverteidiger bedeuten.

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