Sport : Ohne Herz

Hartmut Moheit sieht Probleme nach dem Rücktritt von Handballer Baur

Hartmut Moheit

Gewarnt hatte Heiner Brand oft. Nur: Ändern konnte er damit nichts. Ein Großteil vor allem der Spitzenvereine stellte sich offen gegen die Forderung des Bundestrainers nach einer Ausländerquote in der Handball-Bundesliga. Ihre Prämisse lautete: Erst kommen die Interessen der Klubs, dann die der Nationalmannschaft. Die direkte Auswirkung, dass Schlüsselpositionen in der Bundesliga seit Jahren meist durch internationale Stars besetzt sind, muss Brand nun einmal mehr verkraften: Sein Kapitän Markus Baur, der oft als Trainer auf dem Spielfeld bezeichnete Routinier, hat drei Monate vor Olympia für Peking abgesagt. Und gleichwertige Alternativen mit deutschem Pass gibt die Bundesliga nicht her. Brand nennt das einen herben Schlag, das kennzeichnet den Verlust ausreichend. Offenbar war es diesmal der TBV Lemgo, dessen Trainer Baur ist, der ihn nicht mehr freigeben wollte. Selbst wenn Baur in China durch die fehlende Spielpraxis nicht mehr zur Höchstform gefunden hätte, allein mit seiner Persönlichkeit wäre er für den Weltmeister schon in der Vorbereitung eminent wichtig gewesen. Er war das Herz der Mannschaft.

Unerfahrenere Spieler werden nun Baurs Rolle übernehmen müssen. Michael Kraus, ebenfalls Lemgoer, hat im WM-Team bewiesen, dass dies möglich ist. Aber hinter ihm gibt es keine Alternativen, die den Ansprüchen eines Olympiaturniers genügen. Es wäre schon ein Wunder, wenn es dennoch mit dem ersehnten Medaillengewinn klappen würde. Aber vielleicht muss es auch erst eine Pleite geben, dass Brand endlich Gehör findet und sich dann etwas ändert. Seite 19

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